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Fleischmarkt oder Riot! Don’t diet!

Am Anfang war das Wort – das Private ist politisch – unsere Körper gehören uns – ob Kinder oder keine, entscheiden wir alleine – Vergewaltigern auf’s Maul – Frauenrechte sind Menschenrechte. Wir müßten nur die Macht über unsere Körper wiedererlangen, dann würde das schon werden mit dem Feminismus. Nur es hat nicht geklappt. Aus dem Recht über unsere Körper selbst zu bestimmen, wurde das Recht unsere Körper zu Markte zu tragen, die Verpflichtung sie vom real existierenden Kapitalismus vermarkten zu lassen.
Nach der Lektüre von Laurie Pennys Buch »Fleischmarkt« fällt es mir wie Schuppen von den Augen. Darum soll ich mir die Körperhaare rasieren, mein Geld und meine Energie in Diäten stecken, mir Fettabsaugesendungen zur besten Sendezeit anschauen.

Auf 128 Seiten schildert sie uns, wie wir den Kampf gegen das Patriarchat schon längst verloren haben. Um wirtschaftlich nicht mehr vom alleinverdienenden Mann abhängig zu sein, sind wir zwar hochqualifiziert, gut augebildet, glauben wir würden alle Karriere machen, nur um dann festzustellen, dass wir mit Mitte 40 immer noch nur Sachbearbeiterin sind und der Anteil der Männer an der Hausarbeit immer noch nur bei ca. 20% liegt. Gut, wir müssen sie nicht mehr um Erlaubnis fragen, was wir mit unserem Geld machen, aber ansonsten  müssen wir uns nicht wundern, dass das mit der feministischen Revolution nicht klappt. Wir lassen uns immer noch auf Nebenschauplätze ein. Und das führt uns Laurie Penny in ihrer Streitschrift vergnüglich vor Augen.

In gut zu verstehender Sprache, oft bis an die Schmerzgrenze derb und direkt, zeigt sie auf, in welchen Fallen wir immer noch verharren. Wir lassen unsere Körper als Marke verwerten, kontrollieren das Aussehen unserer Körper, lassen sie ins Unsichtbare drängen, spielen das alte Spiel von Hure oder Heilige mit. Glauben Magersucht sei der Kollateralschaden der Jagd nach dem perfekten Body. Nein, Magersucht ist die letzte Waffe, die Mädchen bleibt, sich diesem Zwang zu entziehen. Leider verharren wir auch hier in einer typisch weiblichen, unsichtbaren, individualisierten Lösung.

Laurie Penny greift viele feministische Diskurse der letzten dreißig Jahre auf und ordnet diese in die aktuelle Situation ein. Sexarbeit, unbezahlte Reproduktionsarbeit, Geschlechtszuschreibungen, Transgender – knallt sie uns nur so rechts und links um die Ohren.

Was sie jedoch leider nicht aufgreift, sind die Analysen von Judith Butler, in denen diese richtig feststellte, dass wir zwar in einem biologischen Geschlecht geboren werden, dann jedoch erst in unser soziales Geschlecht gezwungen werden. Hatte dies doch vielen Feministinnen, die ihre Kraft aus der Kategorie »Frau« gezogen haben, den inhaltlichen Boden unter den Füßen weggezogen – heute ist alles irgendwie »Gender«.

Was Laurie Penny ebenfalls nicht leistet ist die Frage, wie wir Feminismus mit Klassenkritik verbinden können. Warum erhalten Frauen immer noch, bei gleicher Qualifikation, weniger Gehalt? Was heißt es, dass ein großer Teil der weltweit mobilen Klasse Frauen sind? Wie profitieren Frauen in hochqualifizierten Jobs von der Arbeit prekär arbeitender Frauen in den Schwitzbuden der Welt? Das Jammern über unbezahlte Hausarbeit, die wir selbst immer noch leisten, bringt uns nicht weiter. Was heißt es, wenn auch wir das Versprechen von der Vereinbarkeit von Kindern und Karrieren nur einlösen können, wenn auch uns die Reproduktionsarbeit zu Hause von billigen Putzfrauen und Altenpflegerinnen abgenommen werden muß? Leider gibt uns Laurie Penny darauf keine Antworten. Trotzdem sehr lesenswert!

Buchtipp:

Laurie Penny
Fleischmarkt
Weibliche Körper im Kapitalismus
Verlag Edition Nautilus 2012


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Aus den Kommentaren...

Becki schrieb am 30.11.2014 zu
Stinkender Zankapfel Leiharbeit:

Wer einmal Zeitarbeit als Angestellter erlebt hat, braucht zu diesem Thema nix mehr zu sagen. Gruß aus dem Süden Deutschlands :-)