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Zapatistischer Kaffee gegen Hamburger Pfeffersäcke

Café Libertad - die anarchosyndikalistische Kollektiv-Genossenschaft

Die Idee, aufständischen Kaffee aus Chiapas in Mexiko zu importieren, entstand 1999 während eines Fortbildungsseminars des Arbeitsamtes in Hamburg. Um den Aufstand der indigenen Bewegung der Zapatist@s der EZLN auch ökonomisch zu fördern, wollten wir den Versuch starten, zapatistischen Kaffee in der Solidaritäts-Bewegung zu verkaufen.

Der erste Import betrug ganze acht Sack Rohkaffee, der über Denver/Colorado von Café Rebellion (Ex-The Human Bean Company) Hamburg erreichte. Kerry Appel hatte bereits seit einigen Jahren zapatistischen Kaffee in die USA geholt, anfangs mit einem roten VW-Bulli. Bereits nach wenigen Wochen mußten wir Nachschub anfordern, der Verkauf des Kaffees übertraf alle Erwartungen. Flugs gründeten Mitglieder der lokalen FAU ein Kollektiv, das sich ehrenamtlich um den Import und Vertrieb des Kaffees über unser direktes Umfeld hinaus bemühte.

Wir bastelten eine kleine Webseite, informierten alle Genossinnen und Genossen unserer Gewerkschaft und die Email-Verteiler der EZLN-Solidarität über unser neues Projekt. Gleich zu Beginn fanden wir in der Schweiz (Zürich) MitstreiterInnen in der dortigen Solidaritätsgruppe »Direkte  Solidarität mit Chiapas«, die ebenfalls einen Vertrieb aufbauten und Café RebelDía kreierten. Später kamen Freunde und Genossen in Italien, Spanien, Frankreich, Schweden und zuletzt in Griechenland und Großbritannien hinzu, die über Café Libertad erstmals rebellischen Kaffee kauften oder erste Kaffeesäcke mitbestellten. Eine solide Zusammenarbeit gibt es mit unseren französischen GenossInnen der CNT-F in Paris, denen wir unseren Kaffee erstmals im Januar 2002 auf ihrem Pressefest der »Combate syndicaliste« schmackhaft machten. Aus dieser Zusammenarbeit heraus entstand auch das lockere Netzwerk RedProZap, das versucht, gemeinsame Positionen zu erarbeiten und den Import in Europa zu koordinieren.

In unserem ersten offiziellen Jahr 2001 erzielten wir einen Jahresumsatz von 133.293 Euro, 2006 werden es über 600.000 Euro werden. Bei diesen Umsätzen ergeben sich Probleme der Finanzierung der Einkäufe des Rohkaffees. Da wir der Idee des solidarischen Handels verpflichtet sind, müssen wir den zapatistischen Genossenschafts-Bauern so früh wie möglich jeweils im Herbst eine Vorfinanzierung ihrer Erntekosten zahlen. Für 2006 benötigen wir im Oktober ca. 150.000 Euro, um die anvisierten sieben Container Rohkaffee (100 Tonnen!) importieren zu können; bisher brauchten wir noch keine Bankkredite, um dies zu finanzieren.

Neben einem höheren solidarisch-zapatistischen Preis für den Rohkaffee zahlen wir 0,40 USD je verkauftem Kilogramm Röstkaffee an zapatistische Projekte. Wir zahlten 2006 1,50 USD, und für die kommende Ernte wollen wir 1,60 USD je 454g (=1 libra) zahlen; anstelle des TransFair-Preises von 1,41 USD/lbs für bio-zertifizierten Arabica-Kaffee. In den letzten Jahren haben wir rund 40.000 Euro für eine Mikro- und eine zahnärztliche Klinik zur Verfügung gestellt, die unsere anarchosyndikalistischen GenossInnen der italienischen Gesundheitsgewerkschaft der USI aufbauen, den Brunnen- und Wassertankbau durch britische KollegInnen der Organisation »Kiptik« unterstützt, ebenso wie griechische LehrerInnen-Fortbildungskurse (machen unsere GenossInnen aus Athen) und die Ausrüstung einer Schule mit PCs. Eine aktuelle Liste aller geförderter Projekte ist auf unserer Webseite nachzulesen.

Wir haben mittlerweile zwölf verschiedene Sorten in unserem Angebot: zwei Filterkaffees, drei verschiedene Espressos, einen Mokka und natürlich alles zusätzlich als ganze Bohnen-Variationen. Außerdem haben wir spezielle Solidaritätskaffees, die Projekte auch hierzulande mit einer zusätzlichen Spende von 0,40 USD unterstützen sollen: Störtebeker-Kaffee, Soli-Espresso Kiptik (linksradikale Projekte) und Café solidario SinFronteras (antirassistische Flüchtlingsinitiativen) – und ganz neu auch unser FAU-Streik-Kaffee, um mit dem Verkauf die lokalen Streikfonds der FAU zu unterstützen.

Unser Kollektiv besteht aus 8 Mitgliedern, die alle der FAU-IAA angehören und auch im Betrieb aktiv mitarbeiten. Ab 2007 wollen wir als eingetragene Genossenschaft weitermachen. [ Café Libertad Kollektiv e.G. ]

Aktueller Nachtrag der Redaktion:

In den letzten Jahren hat es bei den Mitgliedern der Café Libertad Kollektiv Genossenschaft immer wieder Umschichtungen und Trennungen gegeben. Aktuell gehören dem Kollektiv kein Mitglieder der FAU mehr an. Das Café Kollektiv unterstützt jedoch nach wie vor verschiedene anarcho-syndikalistische Projekte.


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Crisp schrieb am 12.01.2014 zu
Hausarbeit ist Arbeit:

"So stellen die Herausgeberinnen von »Doing the Dirty Work« Doris Schierbaum und Monika Becker, in ihrem Vorwort mit Erstaunen fest, dass ...