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Das Libertäre Projekt FLORES MAGON

Das Libertäre Projekt Flores Magon entstand im Jahr 1999 aus Kreisen der mailänder libertären Bewegung. Von Beginn an spielten die Krankenhausgewerkschaften der italienischen anarcho-syndikalistischen Organisation Unione Sindacale Italiana (USI-AIT) dabei eine große Rolle.

Während anfänglich die geplanten Projekte von Trinkwasseraufbereitungüber Agrar- und Schulprojekte bis hin zur Unterstützung des zapatistischen Gesundheitswesens reichten, wurde schnell – nicht zuletzt wegen der starken Präsenz der USI – der Schwerpunkt auf Gesundheitsprojekte ge­legt. Nachdem sich die italienischen SyndikalistInnen, u.a. durch Ausbildung von Pflegepersonal und dem Import eines Ultraschallgerätes zu Verringerung der Sterblichkeitrate von Kindern und Müttern bei der Geburt, sowie der speziellen Ausbildung von Pflegerinnen zu diesem Zweck, bereits am Aufbau der Klinik in Oventik beteiligt hatten, organisieren sie seit April 2005 eine Zahnarztklinik in der Gemeinde Moyses Gandhi. Die Gemeinde liegt auf dem ehemaligen Grundstück eines Großgrundbesitzers, das 1994 im Zuge des zapatistischen Aufstandes besetzt wurde. Der Ort liegt relativ zentral, ganz in der Nähe der Straße zwischen den beiden Städten San Cristobal und Ocosingo. Moyses Gandhi ist eine rein zapatistische Gemeinde. Dadurch ist es den Menschen hier wesentlich besser möglich, ihre Ideen umzusetzen, als in den zahlreichen gespaltenen Gemeinden, in denen der Alltag wesentlich stärker vom ständig präsenten Konflikt mit den Regierungsorganisationen geprägt ist. Zunächst kamen einige Zahnärzte aus Italien nach Moyses Gandhi, um gemeinsam mit den zukünftigen zapatistischen Zahn­ärztInnen die Infrastruktur aufzubauen. Ein Gebäude nahe der Klinik wurde renoviert und zu einer Praxis ausgebaut. Das Equipment entspricht europäischen Standards und ist somit einzigartig in der weiteren Umgebung. Alle Geräte sind transportfähig. Sie können auf die regelmäßigen Touren zu abgelegenen Gemeinden in den lakandonischen Urwald mitgenommen werden.

Die zapatistischen ZahnärztInnen wurden von ihren Gemeindeversammlungen für den Job ausgewählt. Einerseits eine Ehre für die betroffene Person, ist dies andererseits eine schwere Bürde: Die Menschen in diesem Teil von Chiapas leben überwiegend von selbst angebauten Bohnen und Mais. In Moyses Gandhi wird zusätzlich etwas Kaffee angebaut, der an zapatistische Kooperativen verkauft wird. Die Menschen, die dort offizielle Aufgaben übernehmen, z.B. als LehrerIn oder eben Zahnarzt oder Zahnärztin, bekommen kein Geld, dieses ist schlicht und einfach nicht vorhanden. Sie sind von den Lebensmittelspenden ihrer eigenen- und der anderen Familien abhängig. In einigen Fällen übernimmt die Gemeinschaft die Bestellung der Felder der Ärzte, um die Versorgung derer Familien zu gewährleisten.

Die Arbeit der AktivistInnen des Projetto Flores Magon beschränkt sich darauf, den Einheimischen beim Aufbau der Infrastruktur zu helfen und die ersten ZahnärztInnen auszubilden. Zusätzlich ist die Aufklärung der Bevölkerung über die Notwendigkeit von Mundpflege ein zentraler Bestandteil des Projektes. Ziel der Projekte ist, daß sie sich früher oder später von selbst tragen und ausbreiten, ohne die Zapatisten in eine dauerhafte Abhängigkeit von der USI zu zwingen. Im April 2006 kehrten die ItalienerInnen nach Hause zurück. Die weitere Ausbildung liegt nun in der Hand der ZapatistInnen. Es reisen aber weiterhin ZahnärztInnen nach Chiapas, um das Projekt zu unterstützen. Außerdem ist es den ZapatistInnen leider noch nicht möglich, die Finanzierung der Klinik dauerhaft zu gewährleisten. Dies muß vorläufig von Europa aus geschehen. Auch wenn die Syndikate der USI und andere Spender in Italien dies weiterhin teilweise gewährleisten können, sind weitere Spenden, auch aus Deutschland, notwendig. Außerdem werden weiterhin ZahnärztInnen gesucht, die gut Spanisch sprechen und einige Monate in Chiapas leben möchten, um das Projekt und die Menschen dort zu unterstützen. [ Florian Wagener & Lars Röhm (FAU-IAA Berlin) ]


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Aus den Kommentaren...

Agrarökonomin schrieb am 24.01.2014 zu
Detroit: Von der Motown zum Urban Farming:

Richtig, die kleinen Gärten in den von Krupp und Co. geschaffenen Arbeitersiedlungen, hatten nichts mit Romantik zu tun. Mit dem Land, dass man ...