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Die Gewerkschaft der Starbucks-ArbeiterInnen in New York und Chicago

Klein und stark wie Espresso

Die Starbucks Workers Union der I.W.W. versucht, den Beweis anzutreten, dass eine solidarische Basis-Gewerkschaft funktionieren kann, ohne Massen an Mitgliedern zu haben, einen großen Apparat und Millionen auf dem Konto. Und das gegen einen übermächtig erscheinenden Gegner.

Es ist beinahe unmöglich zu sagen, wie viele Filialen Starbucks weltweit unterhält, denn täglich kommen – so vermeldet man stolz – vier neue hinzu. So ist die Kette, die 1981 mit vier Cafes in Seattle begann, mittlerweile auf allen Kontinenten vertreten – außer in Afrika. (Obwohl die Company selbstredend auch Bohnen aus Ostafrika verwendet, scheint ihr der ärmste aller Kontinente als Absatzmarkt nicht besonders zu gefallen.) Wenn die Marke von 10.000 Filialen weltweit durchbrochen wird – lange kann es nicht mehr dauern – wird sich die Firmen-PR einmal mehr vor Begeisterung überschlagen. Darauf können wir schonmal einen Frappucino© Ice Blended wetten.

Dem gegenüber nimmt es sich vielleicht lächerlich aus, dass die kleine Starbucks Workers Union mittlerweile stolz vermelden kann, dass sie die Beschäftigten von fünf Fillialen in New York City vertritt und dass Anfang September eine sechste Filiale in Chicago hinzu gekommen ist.

Die Starbucks-ArbeiterInnen gehören zu den Industrial Workers of the World (I.W.W.), die im Juni 2005 in Chicago ihren 100. Geburtstag feierten. Für genauso klein und bescheiden wie die sechs Filialen der Starbucks Workers Union gegenüber dem riesenhaften Gesamtkonzern erscheinen, kann man die I.W.W. im Vergleich zu herkömmlichen Gewerkschaften halten. Kann man, darf man, muss man aber nicht.

Kämpfen, um zu gewinnen

Die Gewerkschaft hat bislang – seit den ersten Organisierungsversuchen in New York ab 2001 – einige Erfolge erzielt:

  • Bislang drei Lohnerhöhungen
  • Mehr garantierte Stunden, was im flexibilisierten Arbeitsplan von Starbucks ein Hauptkonflikt ist
  • Verbesserungen im Arbeitsschutz
  • Mit Hilfe von Direkten Aktionen reagiert sie unmittelbar auf alltägliche Konflikte am Arbeitsplatz
  • Sie hat in einem gewerkschaftsfeindlichen Ambiente das Recht durchgesetzt, sich offiziell zusammen zu
  • schließen und solidarisch zu handeln.

Das Imperium wird nervös

Die Aktivitäten der I.W.W scheinen so erfolgreich zu sein, dass Starbucks seit dem Sommer 2006 mit härteren Bandagen kämpft. So wurden inzwischen vier Wobblies offensichtlich wegen ihrer kämpferischen Einstellung entlassen. Doch der einzige Erfolg, den das Unternehmen dadurch erzielte, waren Proteste von New York bis Neuseeland und eine Boykott-Kampagne, die zur weiteren Popularität der Starbucks Workers Union beitragen und das Marken-Image von Starbucks weiter beschädigen dürfte.

Die Ausbreitung nach Deutschland

Starbucks hat natürlich auch erkannt, dass Kaffee der Deutschen liebstes Doping ist. Im Januar 2006 wurde im Frankfurter Flughafen die 50. Filiale in Deutschland eröffnet. Und mit Starbucks kann selbst­redend auch die Starbucks Workers Union der I.W.W. nach Deutschland expandieren. Denn das Organisatonsmodell der I.W.W. funktioniert weltweit.

Du musst, wenn Du bei Starbucks arbeitest, nicht einer nationalen Schwesterorganisastion der I.W.W. beitreten (wie es etwa im Falle der anarchosyndikalistischen Internationale IAA funktionieren würde) oder einer befreundeten Gastronomie-Gewerkschaft (wie es bei bei der NGG der Fall wäre), sondern kannst direktes Mitglied werden und stündest in Verbindung mit allen anderen organisierten Starbucks-ArbeiterInnen weltweit. Die lokalen Wobblies würden beim Aufbau eines Gewerkschaftskerns vor Ort und in Fragen der Kommunikation mit New York, Chicago und anderen Teilen der Welt helfen.
Klingt ganz vernünftig, oder? [ Stuhlfauth (I.W.W. Köln) ]


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Aus den Kommentaren...

Verbrecher schrieb am 11.01.2014 zu
Leiharbeit abschaffen!:

Dennoch ist der Kampf gegen die Arbeit oder wenn es intelligenter wird, der Kampf gegen die Lohnarbeit ein Allgemeinplatz und Allgemeinplätze ...