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Arbeitsschutz - was geht mich das an?

Jedes Jahr werden in Deutschland mehr als eine Million Arbeitsunfälle registriert, hinzu kommt eine Dunkelziffer unbekannten Ausmaßes. So sollte man beim Blick in die Statistiken nicht registrierte Unfälle und die berufsbedingten Erkrankungen bedenken, die von den Berufsgenossenschaften nicht anerkannt werden.

Zum Arbeitsschutz gehört also mehr als die bloße Vermeidung von Unfällen, es geht um den Zusammenhang zwischen Arbeit und der eigenen Gesundheit, sowie die der KollegInnen.

Der Arbeitsschutz beschäftigt sich mit der Verhütung von arbeitsbedingten Gesundheitsgefahren und mit menschengerechter Arbeitsgestaltung. Dazu gehört natürlich die Verhütung schwerer Unfälle auf einer Baustelle, aber auch die Vermeidung eintöniger Arbeitsabläufe am Fließband, die Umgestaltung belastender Arbeitsbedingungen am PC oder Lärmschutzmaßnahmen. Wichtig ist dieses Thema demnach für uns alle. Die Ursachen für Schäden sind nicht selten direkt oder indirekt auf Kosteneinsparungen seitens der Unternehmen zurückzuführen. Überarbeitung, Zeitdruck, fehlende oder falsche Ein- und Unterweisungen, unzureichende Schutzausrüstung, defekte oder überbrückte Sicherheitsvorkehrungen, mangelnde Organisation bis hin zu gefahrbringenden Arbeitsanweisungen sind keine Seltenheit. Diese Ursachen sind vermeidbar! Dadurch hervorgerufene Krankheiten, Behinderungen oder Todesopfer sind vermeidbar!

Wir wollen doch alle möglichst lange möglichst gut leben. Das Aufzeigen von Sicherheitsmängeln und die aktive Mitwirkung an deren Vermeidung und Beseitigung liegen also in unserem eigenen Interesse. Für lohnabhängig Beschäftigte führt dieses Interesse jedoch nicht selten zu Konflikten und in die direkte Konfrontation mit Vorgesetzten und den »Arbeitgebern«. Konflikte sind nicht schön und können belastend sein. Um so wichtiger ist es, nicht allein zu stehen. Daher, tausch dich mit KollegInnen aus, unterstütze sie bei Problemen auf Arbeit und mit dem Chef und organisiert euch wenn möglich in einer Betriebsgruppe und/oder Basisgewerkschaft.

aus FAU Berlin Allgemeine Arbeitsschutzfibel

Gesundbleiben am Arbeitsplatz ist nur möglich, wenn ihr aktiv werdet! Wir haben euch hier die wichtigsten Begriffe, Gesetze und Verordnungen zusammengestellt. Wie immer gilt, das kann nur ein Einstieg ins Thema sein und keine Beratung durch einen Fachmenschen ersetzen. Alle Gesetze und Verordnungen findet ihr unter www.gesetze-im-internet.de

Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) | Setzt die EU Verordnungen zum Thema Arbeitsschutz in deutsches Recht um. Mit seiner Einführung 1996 wurden viele bis dahin recht klare Richtlinien abgeschafft, bzw. durch »generelle Schutzziele« ersetzt. Dadurch wurde die praktische Arbeit nicht einfacher. Das Mittel zum Arbeitsschutz ist nun die so genannte Gefährdungsbeurteilung. Das ArbSchG berührt wichtige Bestimmungen des Betriebsverfassungsgesetzes (BetrVG), der Betriebsrat hat volle Mitbestimmungsrechte.

Arbeitssicherheitsgesetz (ASiG) | Verpflichtet die Arbeitgeber, Betriebsärzte und Fachkräfte für Arbeitssicherheit sowie den Arbeitsschutzausschuss zu bestellen. Es definiert deren Aufgaben. Weitere Verordnungen und Gesetze | Der Name ist Programm, schaut doch mal rein!

  • Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV)
  • Baustellenverordnung (BaustellV)
  • Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV)
  • Bildschirmarbeitsverordnung (BildSchArbV)
  • Biostoffverordnung (BioStoffV)
  • Gefahrstoffverordnung (GefStoffV)
  • Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung (LärmVibrationsArbSchV)
  • Lastenhandhabungsverordnung (LasthandhabV)
  • PSA-Benutzungsverordnung (PSA-BV)
  • Mutterschutzverordnung (MuSchV)
  • Jugendarbeitsschutzgesetz (JArbSchG)
  • Berufsgenossenschaftliche Verordnungen (BGV)

Konkreter als Gesetze und Verordnungen sind die Normen und Regelwerke der diversen Berufsgenossenschaften (BG). Sie erlassen die Unfallverhütungsvorschriften (UVV) sowie die Berufsgenossenschaftlichen Richtlinien und Informationen (BGRs & BGIs). Als ersten Schritt solltet ihr herausfinden, welche BG für euren Betrieb zuständig ist. Die BGs bieten umfangreiche kostenlose Informationen und Schulungen an.

Berufsgenossenschaften (BG) und Unfallkassen sind die Träger der Gesetzlichen Unfallversicherungen (GUV) für die Beschäftigen. Jeder Arbeitgeber ist dort Pflichtmitglied. So wird sicher gestellt, daß ihr bei der Arbeit und auf dem Weg dorthin immer unfallversichert seid. Auch KollegInnen in der Leiharbeit oder sogar illegal Beschäftigte sind unfallversichert! Wird ein Unfall als Wege- oder Arbeitsunfall anerkannt, so zahlt die BG die kompletten Behandlungs- und Rehabilitationskosten und Renten bei bleibenden Schäden. Bis es jedoch zu einer Anerkennung kommt, gibt es vieles zu beachten. Laßt euch im Zweifelsfall beraten!

Wegeunfall | Versichert ist der unmittelbare Weg von eurer Wohnung zur Arbeit, egal welches Verkehrsmittel ihr nutzt. Aber Achtung, der Weg beginnt erst nach der Außentür des Wohngebäudes! Ihr könnt den Weg unterbrechen um z.B. einzukaufen. Der Umweg ist jedoch nur versichert, wenn ihr Kinder in den Kindergarten bringt oder Mitglieder einer Fahrgemeinschaft abholt. Der Abweg ist gar nicht versichert.

Arbeitsunfall | Als Arbeitsunfall gilt nur, wenn eine versicherte Tätigkeit vorliegt, es zwischen dem Unfall und der Tätigkeit einen inneren Zusammenhang gibt und es zu einem zeitlich begrenzten, von außen auf den Körper einwirkenden Ereignis, das zu einem Gesundheitsschaden oder zum Tod führt, gekommen ist. Erleidet ihr zum Beispiel während der Arbeit einen Herzinfarkt, so ist das nur dann ein Arbeitsunfall, wenn ihr ihn wegen eines Stromstoßes erleidet, nicht jedoch, weil ihr einen Herzfehler habt. Wichtig ist es zudem, den Unfall sofort zu melden. Seid ihr mehr als drei Tage krankgeschrieben, so handelt es sich um einen bei der BG meldepflichtigen Unfall. Ihr solltet ihn jedoch auch dann melden, wenn es sich um einen sog. Bagatellunfall handelt. In großen Firmen macht ihr das in der Personal- oder Sozialabteilung. In kleinen Firmen beim Chef (schriftlich). Ihr könnt auch das Verbandbuch dazu nutzen. Ihr findet es im Erste-Hilfe-Schrank oder -Kasten. Dort solltet ihr jede Entnahme eines Pflasters dokumentieren. Denn mancher Schnitt hat sich schon entzündet!

Berufskrankheit | Eine Berufskrankheit ist eine Krankheit, die durch die berufliche (versicherte) Tätigkeit verursacht worden ist und nach dem jeweils geltenden Recht auch formal als Berufskrankheit anerkannt ist. Als formal anerkannt gelten nur Krankheiten die in der Berufskrankheiten- Verordnung (BKV) aufgeführt sind. Krankheiten die dort nicht aufgeführt sind, wie z.B. das Burn-Out-Syndrom, werden nicht von den BGs anerkannt!

Gefährdungsbeurteilung | Jedes Unternehmen muß für jeden Arbeitsplatz eine Gefährdungsbeurteilung erstellen. Dazu werden nicht nur technische Gefährdungen wie z.B. physikalische, chemische oder elektrische, sondern auch psychische Gefährdungen erfaßt. Danach muß der Unternehmer Maßnahmen ergreifen um die festgestellten Gefährdungen zu minimieren.

Fachkräfte für Arbeitssicherheit | sind speziell ausgebildete Profis (z.B. Sicherheitsingenieure) die vom Betrieb bestellt und bezahlt werden müssen. Sie beraten zusammen mit dem Betriebsarzt die Firma bei allen sicherheitsrelevanten Fragen. Kleine Firmen können eine externe »Sifa« oder »FASi« beauftragen. Die Sifa unterliegt nicht der Weisungsbefugnis des Chefs.

Sicherheitsbeauftragte (SiB) | sind im Gegensatz dazu weitergebildete Mitarbeiter des eigenen Unternehmens. Sie werden von den BGs gefordert und sind ehrenamtlich tätig. Ihre Bezahlung geschieht mit ihrem Arbeitslohn. Auch sie beraten den Betrieb in sicherheitsrelevanten Fragen. Sie sollten euer erster Ansprechpartner bei Problemen sein.

Arbeitsschutzausschuss (ASA) | ist bei mehr als 20 Mitarbeitern vorgeschrieben. Er muß sich einmal im Vierteljahr treffen. Auch er berät den Unternehmer in sicherheitsrelevanten Fragen. Mitglieder sind der Unternehmer, die Sifa, der Betriebsarzt und die Sicherheitsbeauftragten.

Betriebsanweisung (BA) | Betriebsanweisungen müssen für biologische Arbeitsstoffe, Gefahrstoffe, für Maschinen und andere technische Anlagen erstellt werden. Ihr müßt zusätzlich eine Unterweisung für den Umgang mit diesen Stoffen und Maschinen erhalten. Zu jedem Gefahrstoff muß euch das sog. Gefahrstoffblatt zur Verfügung gestellt werden. In ihm findet ihr wichtige Hinweise zur Nutzung, Lagerung, Entsorgung und vorgeschriebener PSA.

Persönliche Schutzausrüstung (PSA) | muß nicht nur vom Betrieb zur Verfügung gestellt werden, ihr seid auch dazu verpflichtet, diese zu benutzen sowie ihr eine Arbeit durchführt, die eine Gefährdung darstellt und für die PSA vorgeschrieben ist. Es gibt umfangreiche Regelungen der BGs zu PSA.

Das alles gilt auch für Leiharbeiter und Selbständige, laßt euch nichts erzählen! Ihr habt von all dem noch nichts gehört? Zeit sich damit zu beschäftigen. Fragt eure Kollegen und Vorgesetzte nach PSA, den Sicherheitsbeauftragten, sucht die Verbandskästen, schützt euch!


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Aus den Kommentaren...

Kater Carlo schrieb am 07.01.2014 zu
Alle Macht den Sowjets - keine Macht der Partei!:

Die Revolution der Bolschwewiki war schon gescheitert, bevor Sie begonnen hatte. Es gab in Russland kein nennenswert zahlreiches ...