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Interview mit J.A., einem Arbeiter bei »Wiesengrill« in Sendenhorst

[ Zum Hintergrund dieses Interviews erfährst du mehr in diesem Artikel. ]

Ich kam nach Deutschland über eine Anzeige in einer spanischen Zeitung, wo Arbeit angeboten und der Führerschein vorausgesetzt wurde. Ich hatte zwei Vorstellungsgespräche, akzeptierte die mündlich vereinbarten Arbeitsbedingungen, von denen mir gesagt wurde, dass sie später in Deutschland unterschrieben würden, was nicht so war. Ich kam nach Deutschland in einem Bus, wie früher unsere Väter oder Großväter. Hier angekommen fing unser Leiden an, schon am ersten Tag.

Um sieben Uhr morgens fingen wir an zu arbeiten. Sie setzten uns in ein Auto und dann sieh zu, wie du zurecht kommst auf den Straßen im Norden von Westfalen. Um zehn oder elf Uhr nachts kommst du wieder zurück. Wir bereiteten dreißig oder vierzig Hähnchen auf dem Grill vor und dann warten wir darauf, dass sie verkauft werden. Man hatte mir ein bestimmtes Gehalt genannt, das stimmte auch nicht mit der Wirklichkeit überein; damit bei mir die DM 280,- pro Woche raus kamen, musste man auch sonntags arbeiten und so kehrten wir zu vergangen geglaubten Zeiten zurück.

Sklaventum – nein, Sklaventum ist es nicht, denn ich bin niemandes Sklave, aber es war eine Art Lager. Sie nehmen dir alles weg, die einzige Freiheit, die du hast, ist es, morgens früh allein in einem Auto, das dir offensichtlich nicht gehört, rauszufahren, denn sie bewachen dich die ganze Zeit, deine Freiheit ist eingeschränkt.

Während wir hier waren, lernte ich Arbeiter aus Polen und Spanien kennen, außer der deutschen Familie. Sechs Spanier, vier Polen, die wie ich mit dem Bus angekommen waren. Und auf dem Bauernhof drei weitere Polen. Wenn unsere Bedingungen schlecht waren, waren die der polnischen Compañeros noch schlechter, denn sie konnten nichts reklamieren, mussten alles tun, was ihnen befohlen wurde. Wenn nicht, wurden sie ohne Geld vor die Tür gesetzt, und obendrein, damit sie nicht protestierten, hetzten sie die Hunde auf sie.

Ich bin jemand, der immer gearbeitet hat und ich habe mich nie um meine Papiere gekümmert. Ich habe in meinem Leben viele Arbeitsverträge unterschrieben, aber ich habe immer auf das Wort vertraut und ich hatte in dieser Hinsicht nie Probleme, bevor ich nach Deutschland kam. Ich fing an misstrauisch zu werden, als ich wegen einer Verletzung am Bein ins Krankenhaus eingeliefert werden musste. Als ich zum Arzt gehe, entdecke ich, dass ich keinen Anspruch auf Krankenversicherung habe. Ich fange an zu untersuchen, wie meine arbeitsrechtliche und soziale Lage in Deutschland ist. Meine Aufenthaltsgenehmigung taucht nicht auf, die Krankenversicherungskarte geben sie mir nur, weil ich sie verlange. Ich stelle fest, wir stellen fest – weil mir jemand hilft – dass wir überlistet wurden, weil wir weder eine Aufenthaltsgenehmigung haben, noch einen Arbeitsvertrag; dass wir die berühmte Steuerkarte nicht haben.

Die Chefs fangen an zu bemerken, dass ich Untersuchungen anstelle, dass ich zum spanischen Konsulat gehe. Als ich zurückkehre, entdecke ich, dass sie mein Zimmer durchsucht haben und alle meine persönlichen Gegenstände. Das passt mir nicht, ich erstatte Anzeige gegen sie. Zwei Tage nach der Anzeige fangen die Bedrohungen an, der Druck, der ständig bis zum 23. Dezember anwächst, wo sie mich in die Enge treiben; am 24. dringen sie mit Gewalt ein, schmeißen die wenigen Möbel, die wir besitzen hinaus, werfen meine Wäsche auf den Boden. Ich wende mich an die Polizei, aber die will nichts von mir wissen, ich rufe sie per Telefon … praktisch macht sich die Polizei über mich lustig. Um elf Uhr abends kommt der Chef mit dem Sohn und den Hunden. Beleidigungen, Schläge, Drohungen, sie schlugen mich, zogen mir den Stuhl weg, es war hart.

Mich bewegt nur eine Sache: meine Würde. Ich bin ein Arbeiter, ich bin nicht irgend jemand. Diese Leute, die mich betrogen haben, die mich ausgebeutet haben, müssen in irgendeiner Form dafür bezahlen. Ich bin ein Arbeiter und Arbeit erschreckt mich nicht, aber ich verlange meine Rechte. Sie haben meine Rechte nicht geachtet, ich muss den Weg finden, dass
diese Personen für das bezahlen, was sie mir angetan haben.  


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The Singer schrieb am 22.04.2014 zu
Die C3S als Alternative zur GEMA:

Die C3S ist über das Initiativenstadium mittlerweile hinaus. Für alle Interssierten hier ein Link: https://www.c3s.cc/