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Der Arbeitsprozess

[ Diesen Beitrag liest du am besten zusammen mit dem über die »Produktive Kooperation« ]

Selbst im revolutionären Marxismus und im Anarcho-Syndikalismus gab es bis auf wenige Ausnahmen keine kritische Analyse des Arbeitsprozesses. Stattdessen wird vom »Widerspruch zwischen Produktivkräften und Produktionsverhältnissen« und von der »Aneignung der Produktionsmittel« geredet. Aber die Produktionsverhältnisse stecken in den Produktivkräften unauslöschlich drin!
Die meisten Sozialismus-Vorstellungen des 19. Jahrhunderts knüpften stattdessen am scheinbaren Widerspruch zwischen »despotischer Fabrikplanung« und »anarchischer Marktkonkurrenz« an, Sozialismus wäre die Ausweitung dieser Planung in die Gesellschaft – hier waren sich Sozialdemokraten und Lenin immer einig, ebenso in der Begeisterung für die Versprechungen einer »wissenschaftlichen Betriebsführung« – sprich des Taylorismus.

Die in der radikalen Linken heute gängige und schwer nach »Marxismus« riechende Behauptung, die Arbeitskraft sei eine Ware wie jede andere, ruht auf denselben Fundamenten. Die Behauptung ist falsch: Im Unterschied zu allen anderen Waren ist der »Konsum« der Ware Arbeitskraft (also die Verausgabung von Arbeit) umkämpft. Die ArbeiterInnen lassen sich eine ganze Menge einfallen, um so wenig wie möglich zu arbeiten – und die UnternehmerInnen müssen sich eine Menge einfallen lassen, um sie zur Arbeit anzutreiben. Der einzelne Unternehmer kann nie im Voraus sicher sein, ob die Arbeitskraft, für deren »Gebrauch« er bezahlt hat, ihm auch einen Mehrwert produziert. Die Verausgabung der Arbeitskraft wird umkämpft bleiben, solange es Ausbeutung, solange es »Arbeit« gibt. Das ist der grundlegende Antagonismus der kapitalistischen Gesellschaft. Nicht die »sozialistische Leitung der Gesellschaft«, nicht die »Selbstverwaltung der Betriebe«, nicht die Nationalisierung der Eisenbahn, nicht die gerechtere Verteilung der Waren hebt diesen Widerspruch auf. Revolutionär ist einzig die Abschaffung der Arbeit.

Die Entwicklung der Produktivität besteht vor allem darin, dass immer mehr Menschen zusammenarbeiten, dass die Produktion immer weiter »vergesellschaftet« wird. Heutzutage wird vom MP3-Player bis zu den Klamotten alles in weltweiten Produktionsketten hergestellt. Die Zusammenarbeit wird durch kapitalistische Maschinen vermittelt (Containerschiffe, Fließbänder, Internet). Diese Maschinen haben zwei Funktionen: sie sollen zum einen die Zusammenarbeit ausweiten und diese zum anderen politisch kontrollierbar halten. Beide Seiten lassen sich nicht trennen oder gegeneinander ausspielen. Die Maschinerie ist gleichzeitig Mittel der Vergesellschaftung der Arbeit und zur Steigerung ihrer Produktivität und Beherrschungsinstrument des Kapitals. Dazu muss sie aber die Tatsache der Zusammenarbeit vor den Zusammenarbeitenden selber verstecken. Der UPS-Fahrer in seiner Karre, die Näherin in der Schwitzbude, der Kranfahrer am Containerterminal… sie alle stehen in weltweiten Produktionsketten, sind aber am Arbeitsplatz nur mit wenigen KollegInnen zusammen oder sogar ganz alleine.

Knotenpunkte dieser Zusammenarbeit und Grundlage kapitalistischer Produktivität sind die Fabriken. Die Fabrik basiert von Anfang an auf der Maschinerie und damit auf der vergesellschafteten Arbeit. Sie steht im Mittelpunkt der gesamten Produktion. Nicht weil die Mehrheit der ProletarierInnen in Fabriken arbeiten – das war nie der Fall–, sondern weil sie das Zentrum der gesellschaftlichen Arbeit bildet. Auch Landwirtschaft, handwerkliche und andere nicht-fabrikmäßig betriebene Produktionen sind von industriell erzeugten Materialien und Maschinen abhängig.

Im kapitalistischen Produktionsprozess fallen Arbeitsprozess und Verwertungsprozess zusammen. »Die Kooperation selbst [ist] eine dem kapitalistischen Produktionsprozess eigentümliche und ihn spezifisch unterscheidende historische Form« (Marx). Der Kapitalismus ist vorhergehenden Produktionsweisen vor allem darin überlegen, dass er die produktive Kooperation der ArbeiterInnen in den Produktionsprozess integriert. »Das Wirken einer größeren Arbeiteranzahl zur selben Zeit, in demselben Raum (oder, wenn man will, auf demselben Arbeitsfeld), zur Produktion derselben Warensorte, unter dem Kommando desselben Kapitalisten, bildet historisch und begrifflich den Ausgangspunkt der kapitalistischen Produktion.« (Marx)


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Aus den Kommentaren...

Just my 2 cents schrieb am 11.01.2014 zu
Leiharbeit abschaffen!:

Natürlich geht es letztlich um die Abschaffung der Lohnarbeit durch den Libertären Kommunismus. Aber das muss uns ja nicht daran hindern, ...