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Die produktive Kooperation

[ Diesen Beitrag liest du am besten zusammen mit dem über den »Arbeitsprozess« ]

Der Unternehmer zwingt die Arbeiter zur Zusammenarbeit auf »großer Stufenleiter« und streicht den zusätzlichen Gewinn ein, den diese Kooperation erzeugt. Dem zugrunde liegt der Fakt, dass die Zusammenarbeit von 144 Arbeitern an einem Tag mehr bewirkt, als 12 Arbeitstage von je 12 Arbeitern. »Produktive Kooperation« beinhaltet auch die Beobachtung, dass es ab einer bestimmten Anzahl von Arbeitern nicht mehr auf die Fähigkeiten des Einzelnen ankommt, sondern nur noch auf dessen Funktion als Träger von »durchschnittlich gesellschaftlicher Arbeit«.

Das Kapital hat in den letzten Jahrzehnten weltweit eine große Beweglichkeit im Benutzen von Dezentralisierung, Auslagerung, »Krisenregionen« usw. entwickelt. Dezentralisierung »an sich« ist aber unproduktiv. Produktiv ist sie nur politisch, als Kampfinstrument gegen die Macht der Arbeiterklasse, wenn dadurch z.B. widerborstige Belegschaften zerschlagen werden. Ökonomisch bleibt das unmittelbare Zusammenwirken der ArbeiterInnen die Hauptquelle der kapitalistischen Produktivität. Den Kapitalisten ist dieser Widerspruch stets vor Augen, deshalb geben sie viel Geld für die Forschungen um die »optimalen Fabrikgrößen« aus.

Dahinter steht der nicht aufhebbare Widerspruch der Verwertung: das Kapital kann die Arbeiter zur Zusammenarbeit zwingen, es kann diese Kooperation aber nicht selbst entwickeln. Das müssen schon die Arbeiter tun. Jede/r kennt den Widerspruch, dass wir die offiziellen Regeln übertreten – also die Kooperation entwickeln – müssen, um das zu produzieren, was von uns verlangt wird. Das ist extrem widersprüchlich, wie man z. B. an der Frage der gegenseitigen Hilfe sieht. Einerseits entsteht durch sie Solidarität, kriegen die ArbeiterInnen es auch politisch auf die Reihe, zusammenzuhalten. Auf der anderen Seite nützt die gegenseitige Hilfe natürlich in der täglichen Mehrwertproduktion dem Kapital, weckt sie auf seiten der ArbeiterInnen Hoffnungen auf Menschlichkeit in der Produktion, Vorstellungen von »sozialistischer Produktion« und dergleichen. Oft bleibt die teilweise radikale Arbeitsverweigerung der »Jugendlichen und LeiharbeiterInnen« individuell und bringt für kollektive Kampfperspektiven nichts. Andererseits ist der Grad von Disziplin und Verantwortlichkeit untereinander in der älteren Arbeitergeneration zwar viel solidarischer, blei­ben diese aber in bloßen Verteidigungspositionen eingeigelt. Wie benutzen die ArbeiterInnen den Unterschied zwischen der Disziplin, zu der sie das Kapital zwingt – und der »Disziplin«, die sie untereinander entwickeln, um ihre Kooperation geregelt zu kriegen? Im Übertreten der Regeln, in der (»verbotenen«) gegenseitigen Hilfe, in den Tricks, sich Poren rauszuarbeiten steckt das Wissen des kollektiven Arbeiters, dass schon heute wir es sind, die den ganzen Laden schmeißen. Entweder das Kapital enteignet dieses Wissen zu einem Entwicklungsschub – oder die ArbeiterInnen entwickeln ihre revolutionäre Macht daraus; so wie Handwerker-Arbeiter zu Beginn des 20. Jahrhunderts oder die Fließbandarbeiter in den 60er und 70er Jahren.

Das Umdrehen der produktiven Kooperation der Arbeiter in Arbeitermacht ist keine rein technisch definierte Macht, wie es in den Debatten um Techniker-Sabotage teilweise behauptet wurde. Sie ist vielmehr die Frage nach dem kollektiven Subjekt, das die Macht in den Händen hält, die Gesellschaft des Kapitals zu zerstören. Vom Klassenstandpunkt aus gibt es keine (revolutionäre Gegen-)Macht ohne Inhalt, die Frage nach der Macht und nach der revolutionären Subjektivität hängen zusammen! Die ArbeiterInnen haben diese Macht aus der produktiven Kooperation überhaupt nur, insofern sie eine kollektive Subjektivität entwickeln, die die individualistische und privatistische jedes Einzelnen durchbricht. Dazu gehört z. B. die Erkenntnis, dass die Abschaffung der Arbeit nur ein kollektives Projekt sein kann. Ebenso wie die, dass die Bedürfnisse nur als das realisiert werden können, was sie in widersprüchlicher Form schon immer sind: gesellschaftliche – solche in und an Gesellschaft. Die Entwicklung der produktiven Kooperation bringt auch neue Qualifikationen, neue Fähigkeiten, neue Bedürfnisse hervor. Wie knüpfen daran revolutionäre Perspektiven an? ArbeiterInnen, die lesen und schreiben können, brauchen keinen Parteisekretär mehr. Die Krankenschwestern in Frankreich haben sich Ende der 80er Jahre in Koordinationen organisiert. Wie schaffen es die ArbeiterInnen heute, die Knotenpunkte ihrer potentiellen Macht in einer neuen revolutionären Bewegung zu verknüpfen?


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Aus den Kommentaren...

Smithf643 schrieb am 14.12.2015 zu
Der Aufstand von Patagonien (1921-1922):

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