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Ein Aktionstag der besonderen Art

Global gegen Starbucks

[ Zu diesem Thema haben wir unter dem Titel »Starbucks - nur eine weitere Kampagne?« einen weiteren Beitrag veröffentlicht ]   

Am 5. Juli 2008 fand ein »Globaler Aktionstag« gegen Starbucks statt, an dem sich mit ganz unterschiedlichen Aktionen Menschen in rund 20 Ländern und 80 Städten rund um den Globus beteiligten. Alleine in der BRD gab es Aktionen in und vor mehr als 40 Starbucks-Filialen in 16 Orten. Nun sind »globale Aktionstage« für oder gegen etwas nichts wirklich Neues, der gegen Starbucks trägt allerdings einige Züge an sich, die ihn zu etwas Besonderem machen und die darauf hoffen lassen, dass sich Ähnliches in Zukunft häufiger ereignet.  

Im April 2008 wurde die Starbucks-Barista Monica im spanischen Sevilla vom iberischen Starbucks-Lizenznehmer Sigla S.A. gefeuert. Dieser alltägliche Akt kapitalistischer Willkür wäre vielleicht ohne Antwort geblieben, wäre Monica nicht Mitglied der Starbucks-Be­triebs­gruppe der spanischen Gewerkschaft CNT. Diese forderte sofort die Rück­nahme der Kündigung und begann – wie bei Anarcho-Syndikalist­Innen üblich – mit Aktionen Druck auf Starbucks auszuüben.

Zur selben Zeit gab es, einige tausend Kilometer entfernt, noch eine weitere Gewerkschaft, deren Mitglieder ständig im Clinch mit dem Starbucks-Management lagen. In den USA hatten sich hunderte von Baristas in der »Starbucks Workers Union« (SWU) organisiert, die den »Industrial Workers of the World« (IWW) angeschlossen ist. Als Reaktion auf diesen erfolgreichen Versuch, sich organisiert gegen die Arbeitsbedingungen bei Starbucks zur Wehr zu setzen, hatte das Unternehmen in den letzten Jahren wiederholt AktivistInnen und Mitglieder der SWU gefeuert und hatte wegen unrechtmäßiger Entlassungen auch schon Verfahren verloren. Als im Juni Cole Dorsey, ein Starbucks-Ba­rista in Grand Rapids vor die Tür gesetzt wurde, war das Maß voll. CNT und IWW beschlossen sich gemeinsam zu wehren und riefen aus diesem Grund einen globalen Aktions­tag gegen die Arbeitsbedingungen bei Starbucks und für die Rück­nahme der Kündigungen aus. Das Mittel des Aktionstages wurde gewählt, weil allen Beteiligten klar war, dass die gewerkschaftsfeindlichen Praktiken in Spanien und den USA kein isoliertes Phänomen sind und dass man die Angriffe auf Beschäftigte eines »Global Player« am besten auch durch handfeste globale Klassensolidarität beantwortet.

Vielleicht lag es daran, dass Starbucks wenige Tage vor dem 5.  Juli mit einem vielbeachteten Paukenschlag einen massiven Abbau von Filialen in den USA und Australien ankündigte – 12.000 Jobs sollten alleine in den USA vernichtet werden. Auf jeden Fall häuften sich in Sevilla und Grand Rapids schon bald die Meldungen von Gewerkschaften und sozialen Aktionsgruppen, die ankündigten, sich am Aktionstag zu beteiligen. Mit der Aktionsform, mit der Möglichkeit, die kämpfenden KollegInnen direkt und überall gegen das Starbucks-Management unterstützen zu können, hatten CNT und IWW offensichtlich ins Schwarze getroffen. Als am Abend des 5. Juli die Meldungen rund um den Globus eintrafen, waren dennoch alle überrascht. Argentinien, Australien, Brasilien, BRD, Chile, Frankreich, Irland, Italien, Japan, Großbritannien, Norwegen, Neuseeland, Österreich, Polen, Schweiz, Serbien, Slowakei, Spanien, Taiwan, USA – immer länger wurde die Liste der Orte, an denen Leute in die Filialen gingen, mit den Ar­beiterInnen sprachen, mit den KundInnen, Flugblätter verteilten, Pro­testerklärungen verschickten. Ein Schwerpunkt der Aktionen war neben Spanien und den USA die BRD, wo die FAU und einige andere AktivistInnen Aktionen in 16 Städten durchführten.

Zum Zeitpunkt der Drucklegung des »SyndiKal« war noch nicht abzusehen, ob Starbucks sich dem massiven weltweiten Druck beugen wird. Eines aber ist bereits jetzt klar, der Aktionstag hat auf der einen Seite vielen Menschen gezeigt, welche Bedingungen rund um den Globus bei der Firma herrschen. Und er hat vor allen Dingen gezeigt, dass es möglich und nötig ist, sich gegen weltumspannende Ausbeuter auch weltumspannend zur Wehr zu setzen und das nicht nur in Form von Sonntagsreden. Dass es die kleine aber globale und kämpferische anarcho-syndikalistische bzw. unionistische Gewerkschaftsbewegung war, die dieses Beispiel gesetzt hat, zeigt welches Potential in ihren Reihen steckt und was sie den trägen Riesenapparaten voraus hat.


Kommentare

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Aus den Kommentaren...

Just my 2 cents schrieb am 11.01.2014 zu
Leiharbeit abschaffen!:

Natürlich geht es letztlich um die Abschaffung der Lohnarbeit durch den Libertären Kommunismus. Aber das muss uns ja nicht daran hindern, ...