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Starbucks – nur eine weitere Kampagne?

[ Zu diesem Thema haben wir noch einen weiteren Beitrag veröffentlicht ]

Es ist so eine Sache mit Kampagnen und auch mit weltweiten Aktionstagen: beide haben die Tendenz zum Strohfeuer. Mit viel Elan werden  Dinge gestartet, alles fiebert der Ausführung entgegen und am Ende sinken alle erschöpft in die Sessel und benötigen erst einmal eine Auszeit, bevor die nächste Kampagnensau durch’s globale Dorf getrieben wird. Die Frage danach, ob der »Globale Aktionstag gegen Starbucks« nicht auch nur eine weitere Kampagne dieser Art war, ist deshalb durchaus berechtigt. Das, was man landläufig so an Kampagnen kennt, hat außerdem noch einen weiteren Haken. Meistens geht es darum, Aufmerksamkeit für den einen oder anderen Mißstand vor der eigenen Haustür oder auch woanders auf dem Planeten zu erzeugen, oftmals verbunden mit politischen Forderungen an irgendein Gremium oder eine Institution, dass man dort das eine tun oder das andere lassen solle. Das riecht meistens nach Stellvertreterpolitik und die ist – nicht zu Unrecht – bei vielen LeserInnen dieses Kalenders verpönt. Wir stehen mehr darauf, dass die Betroffenen und ihre UnterstützerInnen ihre Kämpfe selbst mit denen ausfechten, an die sich ihre Forderungen richten. Wir nennen das Direkte Aktion.

Das Neue und vielleicht auch das bislang einzigartige am Aktionstag gegen Starbucks war, dass es sich dabei weder um eine (politische) Kampagne noch um eine stellvertretende Aktion gehandelt hat. Zwar gab es in der Form Gemeinsamkeiten mit Aktionstagen, wie wir sie schon häufig erlebt haben – Leute treten an verschiedenen Orten des Planeten mit gleichen Forderungen auf, aber da ist ein bedeutender Unterschied. Ausgangspunkt des Aktionstages war der Arbeitskampf in zwei Starbucks-Filialen an unterschiedlichen Orten. Die Leute, die sich auf Wunsch der Betroffenen am Aktionstag beteiligt haben, haben sich an diesem Arbeitskampf beteiligt. Das hat es in der bisherigen Form noch nicht gegeben. Es gab zwar bereits im Jahre 2002 einen von der »McDonald Workers Resistance« (MWR) organisierten globalen Aktionstag gegen die Arbeitsbedingungen bei der Fast-Food-Kette. Dies war die erste globale und über das Internet koordinierte Aktion überhaupt, bei der es um Widerstand gegen Arbeitsbedingungen ging. Es ging damals allerdings eher allgemein um die Bedingungen und nicht um einen konkreten Arbeitskampf. Der Aktionstag gegen Starbucks war andererseits auch nicht die erste länderübergreifende Aktion zu Arbeitsbedingungen bei der Kette. Bereits in den beiden Vorjahren hatte u. a. die FAU gegen Entlassungen von Gewerkschaftern der SWU in den USA Aktionen durchgeführt. Aber das waren keine international koordinierten Aktionen, bei denen es um die Bedingungen von Starbucks-ArbeiterInnen in verschiedenen Gegenden des Planeten ging. Der Aktionstag am 5. Juli 2008 war also etwas Neues und hoffentlich auch etwas das Schule macht.

Es ist vielerorts mit Verwunderung und Erstaunen aufgenommen worden, dass sich Leute mit ArbeiterInnen solidarisieren, sich als Teil ihres Kampfes begreifen, obwohl sie ganz wo­­anders leben und man sich meistens nicht einmal kennt. So etwas kennen viele nicht von ihrer Gewerkschaft, die meistens nicht einmal gewillt ist, Solidarität am eigenen Arbeitsplatz zu organisieren. Gerade deshalb gab es viel Sympathie für die Aktionen, Leute verließen die Läden oder betraten sie erst gar nicht. Aber für Aktionen wie diesen globalen Aktionstag braucht es vermutlich eben auch ganz andere Gewerkschaften als die des Co-Managements, der Aufsichtsratsposten und der Funktionärsapparate.

Bei allem Positiven und Neuem sollte aber auch nicht übersehen werden, dass solche Aktionen durchaus ihre Schwächen haben. Denn trotz allem bewegen sie sich auf der Grenze zwischen einer direkten und einer eher symbolischen Aktion. Es ist eine Sache, an verschiedenen Stellen des Globus Solidarität dadurch zu zeigen, dass wir informieren, das Image eines Konzerns ruinieren oder ihn sonstwie schädigen. Eine noch sehr viel bessere Sache allerdings wäre es, wenn es uns gelänge in absehbarer Zeit einen Globalen Aktionstag dadurch zu bestreiten, dass z. B. andere Starbucks-Baristas in den Streik treten oder den Konzern auf andere Weise schädigen. Denn erst dadurch entwickelt sich wirklich unsere kollektive und globale Stärke.


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Aus den Kommentaren...

Verbrecher schrieb am 05.02.2014 zu
Essensvernichtung:

@Mark Z. Maschinenträume? Nein, nur ein kleiner Ansatz konkreter Utopie. Jede im Kapitalismus entwickelte Technologie "trägt Keime der ...