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Das Register: eine vergessene Kampfform kommt wieder in Mode

Das Register ist eine lange vergessene Methode des Arbeitskampfes, die von der schwedischen syndikalistischen Gewerkschaft SAC (Sve­riges Arbetares Centralorganisation) wieder aufgegriffen wurde. Es handelt sich, vereinfacht gesagt, um die gewerkschaftliche Arbeitsvermittlung – durchgesetzt über die Blockade und den Arbeitskräfteentzug. Das, ergänzt um eine von der SAC als »Produktionskontrolle« bezeichnete Mitbestimmung, geht über die Bestimmungen des deutschen Betriebsverfassungsgesetzes weit hinaus. Letztlich ist das Management nicht mehr der »Herr im Hause«, die Gewerkschaft dominiert das Unternehmen.

Der Kampf der Papierlosen

Ausgangspunkt für die Wiederentdeckung des Registers war der Kampf von »Papierlosen«, also ArbeiterInnen ohne legalen Aufenthaltsstatus, von denen sich viele im Kampf um ihre Arbeitsbedingungen der SAC angeschlossen haben. Im Juni 2006 riefen sie zusammen mit der SAC zu einer sehr erfolgreichen Demo unter dem Motto: »Die Arbeiterklasse hat keine Nation!« auf. Seit Oktober 2007 organisiert die Stockholmer Lokalorganisation der SAC regelmäßige Treffen für papierlose ArbeiterInnen. Das führte dazu, dass im November 2007 für unqualifizierte RestaurantarbeiterInnen in mehreren Restaurants in Stockholm Bedingungen ausgehandelt wurden, die sowohl bei der Lohnhöhe als auch bei Wochenarbeitszeit als auch beim Urlaubsanspruch deutlich besser waren, als der geltende Tarifvertrag. Und noch besser - im Gegensatz zum Tarifvertrag knebelte sich die Gewerkschaft nicht mir einer ansonsten üblichen Friedenspflicht.

In allen Punkten sind die Bedingungen für die ArbeiterInnen besser als der geltende Tarifvertrag der LO (das schwedische Gegenstück zum DGB) mit dem Hotel- und Gaststättenverband. Rechnet man alle Faktoren zusammen, liegt der Lohn für diejenigen, die nach der Registerübereinkunft arbeiten, um 35 % über dem LO-Tarif! Die ArbeiterInnen haben darüber hinaus das Recht, an der Verteilung der Arbeitsaufgaben beteiligt zu werden und ihre VorarbeiterInnen wählen zu können. Da es, anders als beim Tarifvertrag der LO, keine Friedenspflicht gibt, kann die ArbeiterInnen auch nichts daran hindern, zu einem belie­bi­gen Zeitpunkt weitere Forderungen zu stellen.  

So funktioniert die Registermethode

  • Die »Lokala Samorganisationen« (LS), also die Lokalorganisationen der SAC, setzen einen Preis für die Arbeit fest
  • Die Arbeitgeber akzeptieren den Preis
  • Die LS versorgen die Firmen mit Arbeitskräften. Die Unternehmen verlieren dadurch das Recht, selbst anzustellen oder zu entlassen.
  • Diejenigen, die über das Register angestellt werden, wählen ihre VorarbeiterInnen selbst. Der Boss verliert verliert damit das Recht zu führen und die Arbeit zu verteilen
  • Falls eine Firma die Bedingungen der LS nicht akzeptiert, bekommt das Unternehmen Sanktionen zu spüren. Diese können so aussehen, dass die Gewerkschaft die ArbeiterInnen abzieht (»Entvölkerung«) und/oder öffentlich dazu aufruft, in dieser Firma nicht zu arbeiten (»Blockade«). Entweder wird die Arbeit zu einem Preis ausgeführt, den die LS bzw. die ArbeiterInnen bestimmen oder gar nicht. Verhandlungen über den Preis oder die Auswahl der Arbeiter gibt es nicht.

Das Kräfteverhältniss und der Zusammenhalt der ArbeiterInnen entscheiden, in welchem Ausmaß ein Register durchgesetzt werden kann. Register in der beschriebenen Form werden in Schweden mittlerweile bei hunderten von Arbeitsplätzen praktiziert.

Die Registerstatistik

Jede Lokalorganisation wählt einen Registerführer, der – in Zusammenarbeit mit den von den ArbeiterInnen in den Betrieben gewählten Statistikverantwortlichen – eine Statistik über die ausgeführten Ar­beiten auf allen Arbeitsstellen führt. Diese werden schließlich landesweit für die verschiedenen Sektoren zusammengetragen. Auf diese Weise kann die Gewerkschaft Lohnlisten erstellen und darauf achten, dass niemand unter dem jeweils tiefsten festgestellten Lohn arbeitet. Dieser ändert sich ständig, sobald irgendwo ein neuer, höherer Lohn durchgesetzt wurde.

Register oder Tarifvertrag?

Mit einem funktionierenden Register stärkt die Gewerkschaft ihre Kontrolle über den Arbeitsplatz. Dadurch, dass sie es ist, von der die ArbeiterInnen vermittelt werden, hat sie die Möglichkeit, das Management unter wachsenden Druck zu setzen. Wenn die Register-Arbeitsvermittlung voll ausgebaut und vollständig angewendet wird, können sich die Arbeitslosen beim Register melden. Damit wird die staatliche Arbeitsvermittlung umgangen, die nur ein Steuerinstrument im Dienst des Kapitals ist. Stattdessen kontrollieren die ArbeiterInnen selbst den Tauschwert ihrer Arbeitskraft und können sie zum jeweils höchsten Preis verkaufen. Es gibt Klauseln in den Registerregeln, die dazu dienen, sich gegen Schwarze Listen der Bosse zu schützen. Der SAF (der schwedischer Arbeitgeberverband) ist bekannt dafür, Statistiken über StreikteilnehmerInnen zu führen. Die ArbeiterInnen, die nach Mei­­nung der Bosse Führungspersonen in Konflikten sind, werden als erste auf die Schwarze Liste gesetzt. Die Register hintertreiben das, indem die ArbeiterInnen, die vom Management sanktioniert wurden, vor allen anderen Arbeit bekommen, die im Register eingetragen sind. Danach kommen die, die am längsten arbeitslos sind. Dort wo das Register komplett funktioniert werden alle Arbeiter über das Register vermittelt. Die Arbeitgeber werden gezwungen, sich immer beim Register anzumelden, wenn sie Arbeitskräfte brauchen. Die Gewerkschaft ermittelt anhand ihrer Liste, wer am längsten arbeitslos ist und vermittelt den oder diejenige in den Job mit der besten Entlohnung.

Eine alte Methode kommt wieder in Mode

Das Register als Mittel zur Kontrolle der Arbeitsplätze, der Löhne und Arbeitsverhältnisse und der Vermittlung von Arbeitskräften, ist keine Erfindung der letzten Jahre. Im Gegenteil, es handelt sich um eine sehr alte Methode, die irgendwann von den »modernen« Tarifverträgen verdrängt wurde, die den Bossen im Zusammenspiel mit ihren gewerkschaftlichen »Co-Managern« eine reibungslosere Ausbeutung ermöglichten. In Schweden entstand das erste Register im Jahre 1913, als auf einer Konferenz in Gävle Tiefbauarbeiter der SAC nach einer Möglichkeit suchten, die Konkurrenz zwischen den Arbeitern zu verhindern, Mindestlöhne für Arbeiten festzulegen. Von 1913 an wendete die SAC das Register an und setzte es in vielen unterschiedlichen Branchen durch. Der letzte große Registerstreit fand im Jahr 1954 in den Kiesgruben von Munsö statt. Danach geriet die Methode durch den Aufschwung der LO und die Krise der syndikalistischen Bewegung weitgehend in Vergessenheit.

Websites mit Infos und Diskussionen zum Register:

Diskussionspapier »No peace in the class war«
der schwedischen Gruppe »Kämpa tillsamman« (Englisch)


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Aus den Kommentaren...

Le Frog schrieb am 08.03.2014 zu
Wo geht’s hier zum Betriebsrat?:

Ohne BR ist die Eigeninitiative der Kolleginnen und Kollegen noch geringer als wie mit BR. Nämlich null, zero, niente. Ohne Stelle, an die sich ...