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Schweizerinnen und Schweizer im Spanischen Bürgerkrieg

Der Spanische Bürgerkrieg zwischen 1936 und 1939 dürfte den meisten Leserinnen und Lesern anarchistischer Literatur nur zu gut bekannt sein: Durruti, die Mujeres Libres, die soziale Revolution… Ebenso bekannt ist die weltweite Solidarität von Internationalistinnen und Internationalisten, die den verschiedenen Fraktionen, die gegen Francos Truppen kämpften, zuteil wurde. Diese Solidarität drückte sich in ganz verschiedener Weise aus:

Durch Material- und Geldsammlungen in den Heimatländern der Aktivistinnen und Aktivisten, durch Propaganda für die Sache der Spanischen Republik, durch Hilfseinsätze in Spanien oder gar durch die Beteiligung am Krieg selbst.

Bereits in den ersten Tagen des Bürgerkrieges halfen einzelne Ausländerinnen und Ausländer, die rebellierenden Truppen zurückzuschlagen. Im Laufe der nächsten Monate kamen immer mehr Kriegsfreiwillige ins Land, so dass im Oktober 1936 auf Vorschlag der damals unbedeutenden Kommunistischen Partei Spaniens und mit Rückendeckung der Sowjetunion die Internationalen Brigaden gegründet wurden. Der grösste Teil der ausländischen Freiwilligen, es waren mehrere Zehntausend aus rund 50 verschiedenen Ländern, diente ab diesem Zeitpunkt in einer dieser Brigaden.

Auch gut 800 Schweizerinnen und Schweizer zogen nach Spanien. Die Männer wurden meist an der Front, die Frauen in der Etappe als Krankenschwestern oder Sekretärinnen eingesetzt. Eine traditionelle Rollenverteilung, insbesondere in den Internationalen Brigaden, war vorherrschend: Es ist lediglich von einer Schweizer Frau bekannt, von Clara Thalmann, dass sie im Fronteinsatz war. Wehrten sich Frauen gegen diese Ungleichbehandlung, wie beispielsweise die Kommunistin Berta Bickel, wurden sie oftmals diffamiert oder gar aus der Brigade und Partei ausgeschlossen. Es ist daher kein Zufall, dass sich viele Schweizer Frauen, unter ihnen auch Clara Thalmann, eher in Milizen ausserhalb der Internationalen Brigaden engagierten.

Unter den Kriegsfreiwilligen waren Arbeiterinnen, Handlanger, Angestellte, Studenten aus allen drei Landesteilen, die meisten davon Mitglieder der Kommunistischen Partei. Dies war kein Zufall, da die KPS abgesehen von der ideologischen Affinität zu den Internationalen Brigaden über hervorragende Kontakte nach Frankreich verfügte, um die Antifaschistinnen und Antifaschisten nach Spanien zu bringen. Der Grenzübertritt war nicht ungefährlich, da es bei Gefängnisstrafe verboten war, sich in oder für Spanien zu engagieren. Aber auch bei letzterem mischte die KPS kräftig mit, beispielsweise durch Geldsammlungen der »Roten Hilfe« oder beim illegalen Transport von angehenden SpanienkämpferInnen aus weiter östlich gelegenen Ländern.

Die Sozialdemokratische Partei, die neben der KPS das grösste Kontingent stellte, konnte nicht so vorbehaltslos hinter der Freiwilligenarbeit für Spanien stehen wie die Kommunistinnen und Kommunisten. Während der eine Teil der Partei die Spanische Republik vorbehaltslos unterstützte, verhielt sich der andere eher abwartend. Der Hauptgrund dafür liegt wohl in der ebenso uneindeutigen Haltung der internationalen Sozialdemokratie. Die Volksfront-Regierung von Léon Blum in Frankreich beispielsweise schloss sich nach kurzem Zögern dem Nichteinmischungspakt an, der die materielle Unterstützung beider Kriegsparteien, also sowohl der rechtmässig gewählten Regierung wie auch der franquistischen Rebellen, verbot.

Schweizer Anarchisten gingen offenbar kaum nach Spanien, ihre Zahl dürfte sich höchstens auf rund zwei Dutzend belaufen haben. Der grösste Teil von ihnen stammte aus der Westschweiz und war in der Arbeiterföderation Holz- und Baugewerbe (FOBB) oder in Zusammenhängen rund um die zweisprachige Genfer Zeitschrift »Le réveil anarchiste« aktiv.
 
Obwohl die Anarchistinnen und Anarchisten Unterstützungsarbeit zugunsten der revolutionären Gewerkschaften durchführten und alleine in Genf mehr als 10.000 Franken sammeln konnten, verfügten sie nicht über ein so gut strukturiertes Hilfsnetz, wie es die KPS besass. Die Kontakte nach Spanien liefen über einzelne Personen, so wie auch eine allfällige Reise nach Spanien individuell organisiert werden musste.

Der Grund dafür liegt in einerseits in der geringen Grösse der anarchistischen Bewegung in der Schweiz: Selbst die legendäre »Fédération Jurassienne« hatte zu ihren Hochzeiten in den 1870er Jahre nur gerade einige Hundert Mitglieder. Zum anderen konzentrierte sich aber auch ein grosser Teil der anarchistischen Aktivitäten auf die Westschweiz. Ähnliche Strukturen gab es in der Deutschschweiz, die rund dreimal so viele Einwohnerinnen und Einwohner wie der französischsprachige Teil der Schweiz zählte, nicht.

Bereits im August 1936 erliess der Bundesrat, die eidgenössische Exekutive, zwei Gesetze, welche die Teilnahme am Spanischen Bürgerkrieg unter Strafe stellten. Deren rechtliche Grundlage war das Verbot, in fremden Militärdienst einzutreten oder für diesen zu werben. Da Frauen in Friedenszeiten nicht dem Militärgesetz unterstehen und Ausländern, die vor dem Krieg in der Schweiz gewohnt haben, nach einem Einsatz in Spanien oftmals die Rückkehr verwehrt wurde, wurden lediglich Schweizern der Prozess gemacht. Insgesamt kam es zu über 500 Anklagen, wovon 420 mit einer Verurteilung endeten. Umgerechnet heisst das, dass sich rund 80 Prozent aller Schweizer Spanienkämpfer mit einem juristischen Verfahren konfrontiert sahen. Rekordverdächtig waren auch die ausgesprochenen Strafen: Sie betrugen im Schnitt fast vier Monate, wobei aber auch der Fall einer Verurteilung zu vier Jahren Gefängnis bekannt ist. Oftmals kam es bereits vor der Rückkehr der Freiwilligen zum Prozess. Es wird geschätzt, dass ungefähr jeder zwölfte Prozess einem bereits im Krieg Gefallenen gemacht wurde.

Auch im Fall Spanischer Bürgerkrieg bewies die Schweizer Regierung einmal mehr, dass ihr rechtes Auge an erheblicher Sehschwäche leidet. Die wenigen Kombattanten im Dienste Francos wurden, soweit bekannt, ähnlich wie Freiwillige der französischen Fremdenlegion zu deutlich milderen Strafen verurteilt.

Überhaupt war die »Neutralität« der Schweiz kaum ihren Namen wert. Nicht nur sympathisierten einige ihrer Bundesräte damals mehr oder weniger offen mit dem faschistischen Italien und dem nationalsozialistischen Deutschland, sondern unterstützten zumindest ideell auch das Franco-Regime. Schon 1937 nämlich, als der Ausgang des Krieges noch völlig offen war, wurden diplomatische Beziehungen zu den Rebellen aufgenommen, und bereits im Februar 1939, zwei Monate vor dem Ende des Krieges, wurde Francos Staat de jure anerkannt.

Deutlich weniger schnell geht hingegen die Rehabilitierung der antifaschistischen Spanienkämpferinnen und Spanienkämpfer vonstatten. Erst 1996 verabschie-dete der Bundesrat nach parlamentarischer Aufforderung eine »Anerkennungserklärung« für den antifaschistischen Einsatz in Spanien. Die juristische Rehabilitierung wurde jedoch bis heute noch nicht vollzogen.

[ Libertäre Aktion Winterthur ]

Literatur

Huber, Peter & Ulmi, Nic.
Les combattants suisses en Espagne républicaine
(1936-1939). Lausanne 2001.

Gmür, Edi & Minnig, Albert. »Pour le bien de la révolution«: Deux volontaires suisses miliciens en Espagne, 1936-1937. Lausanne 2006.


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Aus den Kommentaren...

J. schrieb am 07.12.2013 zu
Widerstand gegen die Verfolgungsbetreuung von Erwerbslosen:

Dies ist der Angriff der Gegenwart auf meine übrige Zeit...