Syndikal LogoTaschenkalender für das Ende der Lohnarbeit

Das Jahr

ist mehr als

249 Arbeitstage!*

In unserem Archiv findest du die Beiträge
aller bisherigen Jahrgänge
des Taschenkalenders »SyndiKal«

 

Was bedeutet »Soziale Revolution«?

In den Anti-Krisendemonstrationen des Jahres 2009 tauchte plötzlich ein Begriff wieder auf, der lange Zeit fast vergessen schien. Die zentrale Parole für den sozialrevolutionären und antinationalen Block auf der Demonstration am 28. März 2009 in Frankfurt a.M., an dem sich u. a. auch die FAU beteiligte, lautete: »Für die soziale Revolution«. In der Folge machte der Begriff dann immer öfter die Runde, bis ihn sich schließlich sogar die DKP in Berlin am 1. Mai auf die Fahnen schrieb. Diese wiedergewonne Popularität wollen wir nutzen, um einen kurzen Blick darauf zu werfen, wo das Konzept der «sozialen Revolution» eigentlich herstammt und was diese von anderen Revolutionen unterscheidet.

AnarchistInnen und andere Antiautoritäre sprechen von »sozialer Revolution«, weil sie damit ausdrücken wollen, dass es ihnen um viel mehr geht, als einfach nur um irgendeine Revolution. Für uns ist eine wahre Revolution viel weitergehender, als einfach nur eine Veränderung in den politischen Macht­verhältnissen, den Strukturen oder den Formen einer Gesellschaft. Wir denken, dass sie alle Aspekte des gesellschaftlichen Lebens verändern muss – die politischen, die ökonomischen, die sozialen, die zwischenmenschlichen Beziehungen, die Sexualität und viele Dinge mehr. Die Revolution, die wir uns wünschen, verändert die Gesellschaft, weil sie jede Einzelne verändert und sie verändert jeden Einzelnen, weil sie die Gesellschaft verändert.

Alexander Berkman schrieb vor rund 90 Jahren in seinem Buch »ABC des Anarchismus«: »Denn es gibt Revolutionen und Revolutionen. Die eine verändert nur die Regierungsform, indem sie eine Gruppe neuer Herrscher auf den Platz der alten setzt. Das ist eine politische Revolution und als solche trifft sie oft auf wenig Widerstand. Die andere Revolution aber, die darauf abzielt, das gesamte System der Lohnsklaverei abzuschaffen, muß auch die Macht einer Klasse beseitigen, die andere unterdrücken zu können. Das heißt, daß es sich nicht mehr um einen reinen Austausch der Herrschenden, der Regierung, nicht um eine politische Revolution handelt, sondern um eine, die das ganze Wesen der Gesellschaft zu verändern sucht. (...) Als solche hätte sie nicht nur gegen die Regierung und den Kapitalismus zu kämpfen, sondern sie würde auch auf den Widerstand des weit verbreiteten Unwissens und der Vorurteile jener treffen, die an Regierung und Kapitalismus glauben.«

Wenn Berkman von der politischen Revolution spricht, hat er dabei die zahlreichen Versuche seiner Zeit vor Augen, mit der die Marxisten-Leninisten und andere autoritäre Sozialisten versuchten, die Macht an sich zu reißen und eine Revolution dadurch einzuleiten, dass sie den Staatsapparat und die wirtschaftlichen Führungspositionen übernahmen. Die Geschichte hat aber gezeigt, dass diese Strategie zum Scheitern verurteilt ist. Gustav Landauer, ein libertärer Sozialist, meinte dazu vor rund 90 Jahren: »Der Staat ist nicht etwas, das durch eine Revolution zerstört werden kann, sondern ein Zustand, eine bestimmte Beziehung zwischen menschlichen Wesen, eine Art des menschlichen Verhaltens; wir zerstören ihn, indem wir andere Beziehungen knüpfen, indem wir uns anders verhalten«.

Für Anarcho-SyndikalistInnen ist die soziale Revolution das Ergebnis vieler Jahre sozialer Kämpfe, nicht das Produkt eines Umsturzes des Staatsapparates. Die soziale Revolution ist gekennzeichnet durch die Umwandlung einer bestehenden Gesellschaftsformation und den Zusammenbruch aller Formen von Unterdrückung sowie der Herausbildung neuer Formen des Zusammenlebens, neuer Formen von gesellschaftlicher Selbstorganisation und einer völlig anderen Art und Weise der Produktion der für die Gesellschaft lebensnotwendigen Güter.

Ein wesentliches Merkmal des Anarcho-Syndikalismus ist es, dass wir nicht darauf warten, dass die Zukunft diese Veränderungen in unserem täglichen Leben schon irgendwie mit sich bringen wird. Ohne kollektive Organisierung kann und wird es keine soziale Revolution geben. Die Entschlossenheit und der Mut sich gegen soziale Ungerechtigkeit zur Wehr zu setzen, fallen nicht vom Himmel. Dafür sind Solidarität und Vertrauen in die eigene kollektive Kraft eine unverzichtbare Voraussetzung. »Von nichts kommt nichts« sagt ein Sprichwort und trifft den Nagel auf den Kopf. Es wird keine soziale Revolution, keine grundlegende Veränderung zum Besseren geben, wenn wir uns nicht schon hier und heute in einer Art und Weise organisieren, wo wir voneinander und miteinander kämpfen lernen können und unsere Macht und unseren Spielraum in Tageskämpfen ausdehnen können. Damit die neue Gesellschaft im Prozess der sozialen Revolution aus der Eierschale der alten brechen kann, müssen wir aktiv vorbereitet sein.


Kommentare

Zu diesem Beitrag hat noch niemand einen Kommentar verfasst...

Kommentar schreiben

Aus den Kommentaren...

J. schrieb am 13.12.2013 zu
Alles was die Nazis hassten:

http://www.youtube.com/watch?v=XftjBfZNvR0