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1. Teil des Interviews mit Luis Baños von der CNT Sevilla

»Der schlimmste Feind der ArbeiterInnen ist die Angst«

[ Den 2. Teil des Interviews findest du unter Warum ist die CNT in Sevilla erfolgreich? ]

 

In den letzten sechs Jahren hat sich die anarcho-syndikalistische CNT zur aktivsten Gewerkschaft in der südspanischen Metropole Sevilla entwickelt. Ausgehend von bescheidenen Anfängen vereinigt die Lokalföderation der »Confederación Nacional del Trabajo« heute mehrere hundert aktive Mitglieder und führt zeitweise zwei bis drei Arbeitskämpfe gleichzeitig durch. Während einer von der FAU im Jahre 2009 organisierten Veranstaltungsrundreise befragten wir Luis Baños von der CNT Sevilla zu einigen Faktoren, die maßgeblich mit zum lokalen Erfolg der spanischen Anarcho-SyndikalistInnen beigetragen haben. Vieles davon hat unserer Meinung nach auch Gültigkeit für Kämpfe im deutschsprachigen Raum.

? Luis, gibt es bei euch auch Angst davor, sich gegen die Chefs zur Wehr zu setzen, also z.B. den Mund aufzumachen oder zu streiken?

! Ja, die gibt es natürlich. Deshalb ist das erste, was wir beseitigen müssen, wenn die Leute zur Gewerkschaft kommen, die Angst davor sich zu organisieren. Solange die ArbeiterInnen diese Angst nicht verlieren, können sie nicht kämpfen. Wie wir das machen? Anfangs war es schwer, weil wir ja nicht viel an Taten vorzuweisen hatten. Jetzt, nach einigen Jahren, ist es viel einfacher für uns. Die Leute haben gesehen, dass wir durch unsere Kämpfe tatsächlich in der Lage sind, unsere Forderungen durchzusetzen. Es gibt kaum ein besseres Mittel gegen die Angst. Ganz wichtig ist dabei immer wieder eine Sache: Es kommt vor, dass aus einer Firma mit, sagen wir mal 80 Beschäftigten, drei oder fünf ArbeiterInnen zu uns kommen und uns erzählen, dass sie gerne kämpfen und sich deshalb bei uns zu organisieren möchten oder unsere Unterstützung brauchen. Wir sagen ihnen dann, dass sie als erstes versuchen müssen die anderen KollegInnen ebenfalls zu überzeugen. Denn mit drei von 80 Leuten machst du im Betrieb gar nichts. Wenn es dann schließlich nicht 80 werden sondern fünfzig, ist das auch schon mal eine gute Basis.

? Was macht ihr, wenn die Leute zu euch kommen?

! Ganz wichtig ist es, dass sie bei uns auf ArbeiterInnen treffen, die sich auskennen, die ernsthaft bei der Sache sind, die veranwortungsbewusst sind, sich auch mit Arbeitsrechtsdingen auskennen und keine Scharlatane sind. Eine Voraussetzung für Vertrauen ist es auch, dass wir ArbeiterInnen sind wie sie selbst, mit den gleichen Problemen und den gleichen Nöten. Nur mit diesem Vertrauen kommen die Leute zur Gewerkschaft. Und nur dann werden sie ihre Angst überwinden. Diese Angst ist es, die der schlimmste Feind der ArbeiterInnen ist. Sie ist schlimmer als der Boss, schlimmer als der Staat und schlimmer als die Polizei.

? Kannst du etwas sagen, wie ihr während eines Streiks mit diesen Ängsten umgeht?

! Wenn gestreikt wird, ist die Situation immer zugespitzt. Während des Streiks gibt es dauernd Situationen, wo die Belegschaft sich uneins ist, wo Leute Angst haben und die Zuversicht verlieren. Deshalb ist es Aufgabe aller GenossInnen zu ver­suchen, die KollegInnen zu einen und ihnen die Angst zu nehmen, ihnen die eigene Stärke vor Augen zu führen. In dem Zusammenhang sind auch Solidaritätsbeweise von außerhalb sehr wichtig. Ich erinnere mich da an einen Streik im Transportsektor in Sevilla, wo die Leute fassungslos über den E-Mails gesessen haben, die ihnen Mut zugesprochen haben. Und das obwohl sie teilweise noch nicht einmal mit dem Finger auf der Landkarte hätten zeigen können, wo diese Orte liegen, manche sogar im Ausland. Dieses Gefühl, dass sie nicht alleine sind, dass andere an ihrem Kampf Anteil nehmen, hat ihnen enorm Mut gemacht.

? Spielt das Umfeld der ArbeiterInnen für euch eine Rolle?

! Ja, sogar eine enorm große. Als die Reinigungsarbeiterinnen an der Uni über Monate gestreikt haben, war es z.B. so, dass es von Seiten ihrer Familien ziemlichen Druck auf sie gab. Das war nicht notwendigerweise böser Wille, manchmal war es einfach nur die Sorge, wie es weitergehen soll. Für uns war es deshalb sehr wichtig, auch die Familien in den Streik und die Unterstützung einzubinden. Wir haben dafür gesorgt, dass sie zu den Kundgebungen gekommen sind, dass sie sich untereinander kennenlernen, dass eine Community entsteht, Verbindungen geknüpft werden. Deshalb organisieren wir während Arbeitskämpfen häufig Volksküchen, bei denen die Familien und Angehörigen sich ge­­gen­seitig kennenlernen und die Streikenden unterstützen können. Damit schaffen wir eine Kultur des Widerstandes, die fast immer dazu beiträgt, die Angst zu besiegen.


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Aus den Kommentaren...

Mark Z. schrieb am 04.02.2014 zu
Essensvernichtung:

Das Werk-/Denkzeug Computer spielt eine wesentliche Rolle dabei, weil dieser eine Erweiterung der Sinnesorgane insofern ermöglicht, als er die ...