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2. Teil des Interviews mit Luis Baños von der CNT Sevilla

Warum ist die CNT in Sevilla erfolgreich?

[ Den 1. Teil des Interviews findest du unter »Der schlimmste Feind der ArbeiterInnen ist die Angst« ]

 

? Vor sieben Jahren war die CNT in Sevilla nur noch wenig mehr als eine anarcho-syndikalistische Propagandagruppe mit vielleicht 15 Aktiven. Heute seid ihr in Stadt und Umland eine Gewerkschaft mit hunderten von Mitgliedern. Wie ihr habt ihr das erreicht?

! Ja das stimmt. 2002 waren wir eine Propaganda-Gruppe mit etwas gewerkschaftlicher Aktivität. Aber es gab keine Arbeiter-Kollektive in der CNT Sevilla. Das änderte sich mit dem Eintritt einer Gruppe von Leuten, die bei der Müllabfuhr in Tomares arbeiteten. Zunächst kamen vier, dann war schließlich fast die komplette Belegschaft bei uns organisiert und kurz darauf begannen sie vierzig Tage lang zu streiken. Wir haben den Streik gewonnen und ein Jahr später einen zweiten, der fast vier Monate dauerte, und das war für uns der Wendepunkt weg von der Propaganda hin zur Gewerkschaft.

? Was unterscheidet euch von anderen Gewerkschaften?

! Eine Besonderheit der CNT ist ja, dass es bei uns keine bezahlten Funktionäre gibt, dass wir in dem Sinne also alle einfach nur ArbeiterInnen sind. Wir funktionieren stattdessen über die Solidarität der verschiedenen ArbeiterInnen-Kollektive, die die CNT vor Ort bilden. Die Leute lernen bei uns sehr schnell, dass die Gewerkschaft nur durch gegenseitige Hilfe und Unterstützung funktionieren kann. Es ist bei uns ganz selbstverständlich, dass z.B. ArbeiterInnen, die sich eben noch selbst in einem Konflikt befanden, auf die Straße gehen, um streikende GenossInnen aus anderen Betrieben zu unterstützen. Die Solidarität ist unsere stärkste Waffe.

? Habt ihr eine besondere Strategie, der es zu verdanken ist, dass ihr so viele eurer Konflikte erfolgreich beendet?

! Wann immer wir einen Arbeitskampf beginnen, versuchen wir ihn – neben dem unmittelbaren Druck auf die Firma – sofort zu „sozialisieren“. Das bedeutet, dass kein Streik eingeschlossen im Betrieb bleibt. So gut wie jeder Arbeitskampf wird öffentlich geführt, mit Demonstrationen, Ständen, Sammlungen zur Streikunterstützung in der Nachbarschaft und im Zentrum der Stadt. Der daraus resultierende öffentliche Druck ist oft ein wichtiger Faktor, die Firmen zum Einlenken zu zwingen und er bietet vielen Leuten die Möglichkeit, sich aktiv mit den Streikenden zu solidarisieren. Viele Menschen freuen sich, dass sie auf diese Weise etwas für Streikende tun und Solidarität zeigen können. Das funktioniert meistens sehr gut, egal ob es sich um ganz winzige Firmen handelt oder um große Arbeitgeber wie z.B. die Universität von Sevilla. Das ist Teil unserer Strategie der direkten Aktion. Das bedeutet, dass die Streikenden ihren Kampf in jeder Phase selbst führen und über ihn entscheiden. Und dann ist da immer die Solidarität; während eines Streiks fordern wir unsere Mitglieder in anderen Betrieben dazu auf, sich freie Tage zu nehmen, um zusammen mit den Streikenden
auf die Straße zu gehen und sie in ihrem Kampf zu unterstützen.

? Konzentriert ihr euch auf bestimmte Betriebe oder Firmen be-
stimmter Größen?

! Nein, wir haben heute Betriebsgruppen in fast allen Sektoren Sevillas. Häufig ist es so, dass wenn wir in einem Bereich einen Konflikt gewonnen haben, ArbeiterInnen aus anderen Firmen des Sektors zu uns kommen und sich uns anschließen. Viele von ihnen waren davor übrigens Mitglieder in anderen Gewerkschaften. Auch wenn wir mittlerweile in der Lage sind, Arbeitskämpfe in großen Firmen zu führen und auch zu gewinnen, vergessen wir nie, dass auch unsere Mitglieder in der kleinsten Klitsche ein Anrecht auf unsere Solidarität und Unterstützung haben. Es gab vor nicht allzu langer Zeit z.B. einen Fall, wo einer Genossin, die in einem Friseurladen arbeitete, der Lohn vorenthalten wurde. Wir sind immer wieder dort aufgelaufen, haben die Nachbarschaft informiert, bis niemand mehr dort hin ging. Der Laden blieb mangels Kundschaft geschlossen und nach kurzer Zeit wurde der ausstehende Lohn bezahlt.

? Du hast gesagt, als 2002 die ArbeiterInnen aus Tomares zu euch gestoßen sind, war das so etwas wie ein Wendepunkt für euch. War das ein Zufall oder was wäre passiert, wenn das nicht geschehen wäre?

! Nein, das war nicht einfach nur Zufall. Zuvor hatte es in der CNT Sevilla über Monate Diskussionen darüber gegeben, dass es keinen Sinn macht, als Propagandagruppe weiterzumachen. Anarcho-Syndikalismus entsteht in den betrieblichen Kämpfen und nirgendwo sonst. Der erbitterte Kampf in Tomares kam deshalb zeitgleich mit einem Einstellungswechsel bei der CNT in Sevilla. Der war eine wesentliche Grundlage des Prozesses, der vor einigen Jahren begann.


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Aus den Kommentaren...

Antifußballer schrieb am 03.05.2014 zu
Die sozialen Werte des Fußballsports:

Man könnte mit den intellektuellen Verrenkungen, die "Linke" immer meinen unternehmen zu müssen, um ihre vollkommen profane und irrelevante ...