Syndikal LogoTaschenkalender für das Ende der Lohnarbeit

Das Jahr

ist mehr als

249 Arbeitstage!*

In unserem Archiv findest du die Beiträge
aller bisherigen Jahrgänge
des Taschenkalenders »SyndiKal«

 
Arbeitsrechtliches rund um die Ausbildung

Lehrjahre sind keine Herrenjahre!

In Zeiten der Krise, in denen viele froh sind, überhaupt einen Ausbildungsplatz ergattert zu haben, scheinen viele Betriebe zu den Zeiten der Herrenjahre zurückzukehren. Wir erhalten als FAU immer häufiger Fragen von Auszubildenden, die auf viele Missstände in Ausbildungsverhältnissen hindeuten. Doch auch hier gilt: in der Ausbildung habt ihr Rechte, die ihr kennen solltet!

Die wichtigste Rechtsgrundlage der Ausbildung in der BRD ist das Berufsbildungsgesetz (BBiG). Zugegeben, eine dröge Materie. Wir empfehlen jedoch, es zu lesen. Es regelt nämlich nicht nur eure Pflichten, sondern auch eure Rechte und die Pflichten eures Ausbildungsbetriebes.

Praktikum vor der Ausbildung | Viele Betriebe bestehen inzwischen darauf, euch vor Abschluss eines Ausbildungsvertrages während eines Praktikums kennenzulernen. Rechtlich ist das unnötig, denn jede Ausbildung hat eine Probezeit. Andererseits ist ein Praktikum auch für euch eine Chance, den Betrieb und den Beruf kennenzulernen. Solch ein Praktikum sollte jedoch nicht länger als 1-2 Wochen dauern.

Mindestinhalte des Ausbildungsvertrages | Ein Ausbildungsverhältnis liegt nur dann wirklich vor, wenn ihr einen schriftlichen Ausbildungsvertrag vor Beginn der Ausbildung abgeschlossen habt. Achtet darauf ein unterschriebenes Exemplar für eure Unterlagen zu erhalten. Der Ausbildungsvertrag muss folgende Punkte enthalten:

  • Beginn und Ende der Berufsausbildung
  • Art, sachliche und zeitliche Gliederung sowie Ziel der Ausbildung
  • Ausbildungsmaßnahmen ausserhalb des Betriebes
  • Dauer der Probezeit, des Urlaubes und der täglichen Arbeitszeit
  • Kündigungsvoraussetzungen, Zahlung und Höhe der Vergütung
  • Hinweise auf Tarifvertrag und Betriebsvereinbarungen

Die Ausbildungsinhalte | Kernstück des Vertrages sind die Ausbildungsordnung für den von euch erlernten anerkannten Ausbildungsberuf sowie der Ausbildungsrahmenplan. In ihm werden die Ausbildungs-inhalte sowie der zeitliche Ablauf der Ausbildung festgelegt. Auch diese beiden Dokumente gehören zu eurem Arbeitsvertrag.

Berufsschule | Im Dualen System findet die Ausbildung im Betrieb und in der Berufsschule statt. So soll sichergestellt werden, dass neben der im Betrieb vermittelten Praxis auch ausreichend theoretische Grundlagen für den Beruf vermittelt werden. Ihr seid verpflichtet, die Berufsschule zu besuchen. Der Betrieb ist dazu verpflichtet, euch für den Berufsschulunterricht freizustellen. Der Betrieb darf euch nicht, z.B. wegen zu viel Arbeit, am Besuch der Berufsschule hindern.

Die Ausbildungsnachweise | Das Berichtsheft, leidige Pflicht. Im Streitfall mit dem Betrieb jedoch euer Trumpf. Die Ausbildungsnachweise gelten als Beleg über das, was euch im Betrieb vermittelt wird. Sie dokumentieren aber auch, was euch nicht vermittelt wurde!

Probezeit und Kündigung | Die Probezeit muss mindestens einen Monat und darf höchstens vier Monate betragen. In der Probezeit haben beide Seiten das Recht, ohne Angabe von Gründen fristlos zu kündigen. Danach kann euch der Betrieb nur noch aus wichtigen Gründen kündigen, wie z.B. Schwänzen der Berufsschule oder Diebstahl.

Arbeitszeit und Urlaub | richten sich nach dem Bundesurlaubsgesetz (BUrlG) dem Arbeitszeitgesetz (ArbZG) und eurem Vertrag. Seid ihr unter 18 Jahren, gilt für euch das Jugendarbeitsschutzgesetz (JArbSchG).

Bezahlung | Die Höhe der Ausbildungsvergütung muss im Vertrag festgelegt werden. Euch steht eine Vergütung zu! Entweder ihr verhandelt sie frei oder ihr vereinbart eine Vergütung auf Basis eines Tarifvertrages.

Kosten der Ausbildung | Der Betrieb trägt alle Kosten der Ausbildung und er muss euch alle Ausbildungsmittel wie Werkzeuge, Prüfungsmaterial, Fachbücher etc. zur Verfügung stellen. Schickt der Betrieb
euch zu überbetrieblichen Kursen, so muss er die Kosten tragen.

Ende des Ausbildungsverhältnisses | Nach Bestehen der Zwischen- und Abschlussprüfung endet eure Ausbildung am Tag der Ergebnisbekanntgabe. Hat der Betrieb euch keine Weiterbeschäftigung angeboten, war es das. Geht ihr am nächsten Tag weiter arbeiten und der Betrieb
lässt dies zu, so kommt ein unbefristetes Arbeitsverhältnis zustande.

Weiterbeschäftigung – Prüfung vergeigt? | Die Ausbildung endet zum im Vertrag vereinbarten Termin. Ihr müsst eine Verlängerung beantragen, der Betrieb muss euch maximal ein Jahr weiter beschäftigen. Ihr könnt die nicht bestandenen Prüfungsteile wiederholen.

Schwangere Auszubildende | fallen unter das Mutterschutzgesetz (MuSchG) und genießen einen besonderen Schutz. Eine Kündigung ist bis vier Monate nach der Entbindung ausgeschlossen. Der Betrieb muss besondere Vorkehrungen zum Gesundheitsschutz treffen.

Einige Gesetzestexte für Auszubildende

www.gesetze-im-internet.de/burlg/index.html
www.gesetze-im-internet.de/arbzg/index.html
www.gesetze-im-internet.de/jarbschg/index.html
www.gesetze-im-internet.de/muschg/index.html


Kommentare

Zu diesem Beitrag hat noch niemand einen Kommentar verfasst...

Kommentar schreiben

Aus den Kommentaren...

J. schrieb am 07.01.2014 zu
Leiharbeit abschaffen!:

Lohnarbeit abschaffen!