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Wie fair ist Faire Kleidung?

Seit etwa fünf Jahren sind fair gehandelte und produzierte Produkte dabei ihre Nische in Eine-Welt-Läden zu verlassen. Sie folgen dabei dem Weg, den bereits die biologisch erzeugten Lebensmittel genommen haben, ab 1-2% Marktanteil steigen die Handelsketten ein. Angesichts der Umfrageergebnisse nach denen weit mehr als ein Drittel der deutschen Bevölkerung »mehr« auf ihren Konsum achten wollen und vermehrt Bio- und Fairtrade-Produkte kaufen wollen, kein Wunder, sondern erst der Anfang.

Angesichts der Geldmenge, die bereits auf dem »fairtrade Markt« umgesetzt wird ist es wichtig nachvollziehen zu können, ob der versprochene faire Handel oder die faire Produktion tatsächlich stattgefunden hat. Es wäre nicht das erste Mal, dass Firmen und Händler einfach behaupten, dass ein Produkt, fair oder Bio sei. Ein von der FAU öffentlich gemachter Fall war z.B. Ende der 1990er Jahre der Kaffee der Firma Lebensbaum.

Neben der Offenlegung der Vertriebs- und Produktionswege helfen hier Siegel. Ähnlich wie vor der Einführung des Bio-Siegels viele Siegel der ökologischen Produktionsverbände (z.B. Neuland, Bioland, Demeter) für Lebensmittel existierten, gibt es auch im Textilbereich viele verschiedene Siegel unterschiedlichster Qualität und Aussagekraft.

Momentan gibt es vier große Zertifikate, die bis auf eines auch Siegel vergeben:

Global Organic Textil Standards (GOTS) des Internationalen Verbandes Naturtextil. Das ist zwar eigentlich ein Ökolabel, beinhaltet aber auch soziale Aspekte. So muss ein »living wage« – ein Lohn, der ein würdevolles Leben ermöglicht, was in der Regel mehr ist als der Mindestlohn – gezahlt werden.

Das Zertifizierungssystem SA 8000 kontrolliert wie andere Qualitätsmanagementsysteme nachvollziehbar und transparent die Produzenten und baut das Selbstmanagement in den Betrieben aus. Leider werden dabei in der Regeln nicht die Zulieferer erfasst.

Die Fairtrade Labeling Organisation (FLO) vergibt das bekannte
Fairtrade-Logo. Dabei bezieht sie sich vor allem auf den Handel, wobei die sozialen Aspekt deutlich im Vordergrund stehen. Die  weiteren Verarbeitungschritte werden
bisher aber kaum erfasst.

FairWearFoundation (FWF) nutzt im Prinzip ein System ählich des SA 8000. Im Unterschied dazu sind aber nicht die ProduzentInnen, sondern die AbnehmerInnen die AuftragbegerInnen und damit auch diejenigen, die die Kosten tragen.

Es stellt sich dabei natürlich die Frage, wie fair ist letztendlich fair. Mit Sicherheit ist das T-Shirt aus der FairTradeZone von Comamunvi (eine selbstverwaltete Frauenkooperative in Nicaragua) nicht mit einem Shirt
zu vergleichen, das in einer Klitsche hergestellt wurde, die SA8000 bekommen hat und gerade einmal die gesetzlichen Arbeitsbedingungen einhält. Aber trotzdem ist gerade in der Bekleidungsproduktion die Einhaltung selbst der elementarsten Arbeitsbedingungen keine Selbstverständlichkeit – auch nicht in Europa.

Letztlich ist es neben der finanziellen – fairtrade ist nun einmal auch zurecht etwas teurer – auch immer eine persönliche und damit bis zu einem gewissen Grad auch politische Entscheidung, wo ich einkaufe.

Ein fairtrade Kaffee (und demnächst wohl sogar faire Kleidung) bei Lidl, die ihre Mitarbeiter überwachen und gewerkschaftliche Organisation bekämpfen ist ein Witz und zwar kein guter. Und auch bei den neuen Fairwear-Läden sind die VerkäuferInnen nicht mehr unbedingt auch die InhaberInnen.

Am Schluss bleibt fest zu halten: bei jedem Kleidungsstück, das nicht zertifiziert ist oder bei dem die Produktionskette offengelegt ist, ist es fraglich, ob es fair produziert wurde. Erzählt wird viel, gerade, wenn etwas verkauft werden soll (oder glaubt ihr der Werbung?). Was auf jeden Fall nicht ausschlaggebend ist, ist der Preis. Auch ein normales Design-Marken-Shirt für 40,- Euro oder der Turnschuh für 150,- Euro ist in der Regel in einem Sweatshop für wenige Cent produziert worden.

Viele weiter Informationen zum Thema findet ihr auch unter www.cleanclothes.org.


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Jedermann sein eigener Fußball schrieb am 14.10.2014 zu
Die sozialen Werte des Fußballsports:

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