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Bundeswehr ist kein Beruf - Kein Beruf ohne Bundeswehr!

Dass SoldatInnen und andere staatlich engagierte Söldnerheere keinem gewöhnlichen Beruf nachgehen ist allseits bekannt – auch der Bundeswehr. Dort laufen die Bemühungen auf Hochtouren, den Krieg und den Job des Mordens zu normalisieren: »Das Außergwöhnliche muss zur Gewohnheit und generell akzeptiert werden«, so Kriegsminister zu Guttenberg beim Feldlagerbesuch 2010 in Masar-i-Scharif.

Da jedoch selbst ein aufwändiges Bewerben ihrer todsicheren Jobangebote bislang nicht ausreicht, um genügend ZeitsoldatInnen für das mörderische Handwerk zu gewinnen, helfen »zivile« Partner bei der allgemeinen Akzeptanzbeschaffung und beim konkreten Rekrutieren. Die häufig eher abstrakte und wenig greifbare »zivil-militärische« Zusammenarbeit bekommt ein ganz konkretes Gesicht, wenn in immer mehr Bereichen eine Ausbildungs- oder Jobperspektive an die Bereitschaft geknüpft wird, für die Bundeswehr zu »arbeiten«.

Universität

Im Sommer 2010 wollte der verteidigungspolitische Sprecher der SPD den Dienst an der Waffe attraktiver machen. Um die »Freiwilligkeit« bei der freiwilligen Verlängerung des Wehrdienstes oder der Verpflichtung zur ZeitsoldatIn etwas zu befördern, sollten Wehrdienstleistende künftig mit »Punkten bei der Studienplatzvergabe« belohnt werden. Die Logik lautet: Wer gedient hat, bekommt Zugang zur Uni – eine Sommerlochidee der bescheuerteren Sorte. Jenseits solcher Eskapaden entpuppen sich viele Forschungsbereiche, wie zum Beispiel der bundesweit aufgelegte Sonderforschungsbereich SFB700, der Kontrolle und neue Regierungs-Modelle (jenseits überkommener Staatlichkeit) und zivil-militärische Intervetionsbedingungen in zerfallen(d)en Staaten untersucht, als aktives In-Dienst-Stellen der Wissenschaft für das Militär.
Studierendenvertretung und engagierte WissenschaftlerInnen drängen auf die Einführung/Einhaltung von »Zivilklauseln«, die eine zunehmende Militarisierung von Lehre und Forschung bekämpfen sollen.

Schule

In den meisten Bundesländern gibt es mittlerweile eine Kooperationsvereinbarung zwischen den Bildungsministerien und der Bundeswehr, die Jugendoffizieren einen regulären Zugang zu den Schulen, zur ReferendarInnenausbildung und zur LehrerInnenfortbildung ebnen soll. Damit intensiviert die Bundeswehr ihre Präsenz an den Schulen und ihren Einfluss auf die »politische Bildung«, teilweise durch die Übernahme ganzer Unterrichtseinheiten nicht nur zu sicherheitspolitischen Themen. Neben der Unterrichtsgestaltung wirbt die Bundeswehr immer aggressiver.

Zahlreiche SchülerInnen- und Eltern-Initiativen haben sich erfolgreich widersetzt und mit öffentlichen Protesten ihre Schule und die Bundeswehr zum Rückzug gezwungen. Mit oder ohne Kooperationsvertrag verbleibt nämlich die Entscheidung, ob Jugendoffiziere die Schule besuchen dürfen bei der Schulleitung, bzw. im Falle eines Unterrichtsbesuchs bei der jeweiligen LehrerIn. Während einige Schulen in Reaktion auf Gegendruck anbieten, zur Wahrung der »Neutralität« auch Friedensinitiativen oder andere kritische Stimmen an die Schule zu holen, lautet die klare Forderung vieler Initiativen, die sich auf keine inszenierte »Debatte« im Stile eines Talk-Show-Schlagabtausches einlassen wollen: »Hausverbot für die Bundeswehr« und »Bundeswehr raus aus allen Bildungseinrichtungen«.

Arbeitsamt und Jobbörse

Mit zum Teil festen Büros in den Jobcentern und Arbeitsagenturen ködern Werbeoffiziere arbeitslose Jugendliche und junge Erwachsene für eine »Karriere mit Zukunft«. Zusätzlich präsentiert sich die Bundeswehr auf Job- und Ausbildungsplatzbörsen. Letzere nehmen einen steigenden Anteil an den bundesweit über 1000 Reklameeinsätzen jährlich ein. Dabei werden auch völlig fachfremde Messen besucht. Auch am Girls’ Day, einem Aktionstag verschiedener Bundesministerien, um Frauen und Mädchen »Männerberufe« nahezubringen, beteiligt sich die Bundeswehr jedes Jahr und lädt Jugendliche in ihre Kasernen ein.

Leider kann sich die Bundeswehr bei der Armuts-Rekrutierung aus der Perspektivlosigkeit auf ausreichend zivile Unterstützung verlassen: Jugendliche HartzIV-EmpfängerInnen werden unter Sanktionierungsandrohung zur Teilnahme an Bundeswehrwerbeveranstaltungen und zur Bewerbung auf »zivile« Stellen beim Arbeitgeber Bundeswehr gezwungen.

Das Schaumburger Modell

Eine wichtige Säule der Nachwuchsgewinnung bilden Kooperationsmodelle mit der »zivilen« Wirtschaft. Im Rahmen des Attraktivitätsprogramms der Bundeswehr wurde das »Schaumburger Modell« ab 1998 (zunächst nur) in den neuen Bundesländern eingeführt. Bei diesem Modell lässt die Bundeswehr junge Frauen und Männer, die noch keine 17 Jahre alt sind und somit aufgrund der gesetzlichen Regelungen noch nicht als SoldatIn eingestellt werden dürfen, vor Beginn der Anstellung als SoldatIn entsprechend ihren Wünschen in technischen oder kaufmännischen Berufen durch die Wirtschaft ausbilden. 250 Euro monatlich bezahlt die Bundeswehr je AuszubildendeR an den jeweiligen zivilen Ausbildugsbetrieb vornehmlich in Industrie-, Handel- und Handwerksberufen. Nach Überprüfung der militärischen und gesundheitlichen Eignung »übernimmt« die Bundeswehr bei einer erfolgreich abgeschlossenen Lehre die noch zivile SoldatIn auf GesellInnenebene. Voraussetzung: deutsch, keine Vorstrafen. Mindestens vier bzw. acht Jahre und bis zu zwölf Jahren »können« sie dann bei der Truppe ihren Dienst tun. Ein Jahr Auslandseinsatz ist wie bei allen Zeitsoldaten Pflicht. Koordiniert wird das Angebot häufig von Arbeitsagenturen und wirtschaftsnahen Bildungszentren.

Dieses Modell dient dem Zugriff der Bundeswehr auf unter 17-jährige, die in einem leichter zu beeindruckenden Lebensabschnitt schon an das Militär gebunden werden sollen. Dazu werden  die TeilnehmerInnen während der zivilen Phase ihrer Ausbildung von einem Jugendoffizier »begleitet«. Der Erfolg dieses (mittlerweile auch im Westen angewandten) Modells ist erschreckend: Wer 2010 am Niederrhein eine Lehrstelle als Kfz-MechanikerIn gesucht hat, musste erfahren, dass hier viele der Autohäuser nach dem Schaumburger Modell ausbilden. Die Arbeitsagentur erklärte einer Frau auf Ausbildungsplatzsuche für ihren Sohn nur lapidar: »Ja, dann müsse ihr Sohn halt nach Afghanistan!«

»Zivile Ausbildungsplätze statt Militär und Kriegseinsätze«

Es gilt zwar unverändert die Haltung: »Wer Alternativen hat, geht nicht zur Bundeswehr«, aber die Bedingungen für die Alternativen verschlechtern sich kontinuierlich. Der umfassende soziale Angriff von oben er- höht den Druck, auch (zivil-)militärische Jobs anzunehmen. Die Bundeswehr erhöht gleichzeitig ihre Rekrutierungs- Bemühungen, je intensiver sie (immer noch unattraktive) Kriege führt und je stärker sie sich in Richtung Berufsarmee transformiert. Eine starke Gegenöffentlichkeit und das jeweils konkrete Zurückdrängen des »ganz normalen Arbeitgebers« Bundeswehr ist notwendig und möglich. [ bundeswehr-wegtreten ]


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Aus den Kommentaren...

Verbrecher schrieb am 14.01.2014 zu
Leiharbeit abschaffen!:

@J. Selbstverständlich existieren auch zwischen dem Kapital/Arbeit - Verhältnis Zwischentöne. Auf einer allgemeinen Ebene kannste von ...