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»Pour en finir avec le travail« (Schluss mit der Lohnarbeit)

Neun Chansons gegen Lohnarbeit

[ Den Text zu einem der Chancons haben wir hier übertragen und veröffentlicht ]

»Pour en finir avec le travail« (Schluss mit der Lohnarbeit). So lautet der Titel einer der legendärsten libertären Schallplatten. Sie wurde 1974 vom 2010 verstorbenen französischen Filmproduzenten Jacques le Glou herausgegeben. Jacques hatte während und nach dem Pariser Mai 68 enge Kontakte zur »Fédération anarchiste«, zur Exilorganisation der spanischen Libertären Jugend in Frankreich und zum Zirkel der Situationisten um Guy Debord. 1968 begann Jacques Chansons zu schreiben. Seine Methode war es, auf gängige und bekannte  Melodien neue Texte zu verfassen. Das ist eine sehr wirksame und eingängige Form von Propaganda, die in vielen Liedern der Wobblies in den USA bereits eine lange Tradition hatte. 1972 – Jacques hatte mit einer Auftragsarbeit endlich genug Geld verdient – machte er sich an die aufwändige Produktion von »Schluss mit der Arbeit«. Mit Jacqueline Danno (unter dem Pseudonym Vanessa Hachloum) und Jacques Marchais gewann Le Glou zwei professionelle Stimmen für das Projekt. Pierre Dutour, der erste Trompeter der Pariser Oper, besorgte die Musiker. Neben Texten aus Jacques Feder steuerten die Situationisten Guy Debord und Raoul Vaneigem Chansontexte bei, ebenso Etienne Roda-Gil und Alice Becker-Ho. Guy Debord schrieb die Texte für das Cover des Albums. Ursprünglich sollte die Platte 25 Stücke umfassen. Da sich viele Musikverlage allerdings weigerten, die Rechte an den Kompositionen für ein derartiges Projekt zur Verfügung zu stellen, wurden es letztlich nur neun Titel.

Le bon dieu dans la merde (Der liebe Gott in der Scheiße) ist ein alter anarchistischer Gassenhauer von 1892, der fast völlig in Vergessenheit geraten war. Man sagt, Ravachol habe ihn auf dem Weg zum Schafott gesungen.

La java des Bons-Enfants (Die Java von Bons-Enfants) wurde zu Beginn der 60er Jahre von Guy Debord geschrieben und von Francis Lemonnier vertont. Der Text dreht sich um die Explosion einer Bombe in einem Pariser Polizeikommissariat in der Rue des Bons-Enfants im Jahre 1892. In der ersten Auflage leistete sich Le Glou einen Spaß und schrieb das Lied Raymond Caillemin (»Raymond-La-Science«) zu, einem 1913 guillotinierten Mitglied der Bonnot-Bande. Die sensationsgierige Presse fiel prompt auf die Ente herein.

La makhnovchtchina (Die Machnowschtschina) wurde vom Chansonnier Etienne Roda-Gil getextet, zu jener Zeit häufiger Teilnehmer an den Demonstrationen der spanischen Exil-CNT. Bis heute gibt es in Frankreich kaum eine libertäre Demonstration, in der nicht irgendwann dieser anarchistische Gassenhauer in Erinnerung an die anarchistischen Partisanen der Ukraine angestimmt wird.

Les journées de mai (Die Maitage) ist von Guy Debord geschrieben. Das Lied erinnert an den stalinistischen Verrat an der spanischen Revolution und an die Kämpfe im Mai 1937 in Barcelona.

La vie s‘écoule, la vie s‘enfuit (Das Leben zieht vorbei, das Leben verrinnt) stammt von Raoul Vaneigem. Es beinhaltet quasi die in einen Chansontext destillierte Essenz der situationistischen Theorie. Ein Lied, das einem – ähnlich wie die Machnowschtschina – mühelos die Tränen in die Augen treiben kann.

Il est cinq heures (Fünf Uhr morgens) wurde im Mai 1968 von Jacques Le Glou getextet und auf die Melodie eines Chansons von Jacques Lanzman gesungen. Fünf Uhr morgens – Paris wacht auf, in den Straßen toben Kämpfe, die Fabriken sind besetzt, die ArbeiterInnen organisieren sich selbst, die Pfaffen, Bürokraten und Politiker sind auf der Flucht …

Chanson du »Conseil pour le Maintien Des Occupations« (Chanson des »Rates zu Weiterführung der Besetzungen«), La Mitraillette (Die Maschinenpistole) und Les bureaucrates se ramassent à la pelle sind die restlichen drei Lieder auf der Scheibe.

1974 erschien »Pour en finir avec le travail« schließlich in einer Auflage von 3.500 Exemplaren, die binnen weniger Wochen verkauft waren. Als das Management der Plattenfirma realisierte, was sich auf der Scheibe befand, untersagte es jede Neuauflage. Erst 1998 gelang es Jacques Le Glou wieder, an das Masterband zu kommen. Danach erschienen kurz nacheinander zwei Neuauflagen auf CD bei einem anderen Label. 2008 wurde dann die CD »Les chansons radicales de mai 1968« (EPM 3017723) gepresst, die – zusammen mit einem Reprint des ersten Plakats des  »Conseil pour le Maintien Des Occupations« – alle neun Stücke enthält. Die Texte und die Songs im OGG-Format  finden sich auch im Internet. Und natürlich bleiben das Versprechen und die Hoffnung, die am Anfang des Projekts standen, noch einzulösen: Pour en finir avec le travail – Schluss mit der Lohnarbeit! [ Gianni Med ]


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Aus den Kommentaren...

Yomin schrieb am 15.01.2014 zu
Leiharbeit abschaffen!:

@ J: nichts würde der Kapitalist lieber tun, als Lohnarbeit abzuschaffen! Diese ist für den Profit nur ein notwendiges Übel und aus Sicht des nur ...