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Arbeitsrechtsgymnastik in der Leiharbeit

Wurde uns die Leiharbeit bisher als Sprungbrett in den ersten Arbeitsmarkt verkauft, so spricht der Boom der Leiharbeitsbranche eine andere Sprache. In immer mehr Branchen ist es kaum noch möglich eine reguläre Festanstellung zu bekommen. Daher möchten wir euch hier eine kleine Einführung in eure Rechte als LeiharbeiterIn geben:

Wie ist mein rechtlicher Status als LeiharbeiterIn?

Nach dem Willen des Gesetzgebers soll ein Leiharbeiter formalrechtlich den gleichen Status wie jeder andere Arbeitnehmer haben. Die genauen Regelungen findet ihr im Arbeitnehmerüberlassungsgesetz (AÜG). Die Bundesagentur für Arbeit gibt dazu ein Faltblatt heraus, welches ihr hier findet

Wer ist mein Arbeitgeber, der Verleiher oder der Entleiher?

Der Verleiher ist der Arbeitgeber im arbeitsrechtlichen Sinn. Er ist euer Vertragspartner mit dem ihr die Bezahlung, Urlaub etc. aushandelt, vom ihm bekommt ihr euer Geld. Zum Zwecke der Arbeitnehmerüberlassung überträgt er während der sogenannten Überlassung das Weisungsrecht über dich an seinen Kunden, den Entleiher.

Habe ich Anrecht auf einen schriftlichen Arbeitsvertrag?

Ja, der Verleiher ist verpflichtet in einer Niederschrift die wesentlichen Inhalte eures Leiharbeitsverhältnisses aufzunehmen oder diese in einem schriftlichen Arbeitsvertrag festzuhalten.

Wie finde ich heraus, ob und wieviel Urlaub mir zusteht?

Die Mindestbedingungen sind wie in anderen Arbeitsverhältnissen im Bundesurlaubsgesetz (BurlG) geregelt (mindestens 24 Arbeitstage oder 4 Wochen). Darüber hinaus wird der Urlaubsanspruch auch in den einschlägigen Tarifverträgen verbindlich geregelt.

Wie ist meine Kündigungsfrist, meine Arbeitszeit?

Kündigungsfristen und Arbeitszeit müssen explizit auch im Arbeitsvertrag geregelt werden. Verschlechterungen gegenüber tarifvertraglichen Vorgaben sind dabei unzulässig.

Bekomme ich Gehalt oder Stundenlohn?

Aufgrund der Abrechnungsmodalitäten wird in der Regel eine Bezahlung auf Stundenlohnbasis vereinbart. Ihr solltet zum Nachweis im Streitfall einen täglichen Stundenzettel führen und diesen mit nach Hause nehmen.

Welcher Tarifvertrag gilt für mich?

Eigentlich habt ihr laut AÜG Anrecht auf gleiche Bezahlung wie im Betrieb, in den ihr verliehen werdet (Equal-Pay). In der Leiharbeit gilt jedoch aufgrund der gesetzlichen Zwangstarifierung eine nahezu flächendeckende Tarifbindung. Dabei dominieren die meist schlechteren Flächentarifverträge, die der DGB mit den drei größten Arbeitgeberverbänden IGZ (Interessenverband Zeitarbeit), BZA (Bundesverband Zeitarbeit) und AMP (Arbeitgeberverband Mittelständischer Personaldienstleister) abgeschlossen hat. Nähere Informationen zu diesem Schlag in die Fresse der LeiharbeiterInnen findest du u.a. bei leiharbeit-abschaffen.de

Habe ich zum Gehalt noch Anrecht auf vermögenswirksame Leistungen, Urlaubsgeld, Weihnachtsgeld oder andere Sonderzahlungen?

Genaue Infos findet ihr im für euch gültigen Tarifvertrag. Laßt ihn euch ruhig bei Vertragsabschluß von eurem Verleiher geben.

Bekomme ich Lohnfortzahlung im Krankheitsfall?

Auch in der Leiharbeit gilt das Entgeltfortzahlungsgesetz (EntgFG). Danach besteht Anspruch auf Entgeldfortzahlung im Krankheitsfall bis zur Dauer von sechs Wochen unter der Voraussetzung, dass das Arbeitsverhältnis vor dem Beginn der Arbeitsunfähigkeit mindestens bereits vier Wochen ununterbrochen besteht.

Wer muß meine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung bekommen?

Der Arbeitgeber bzw. der Verleiher. Achtet darauf, für alle Fehltage eine AU vorzulegen. Bevor ihr sie abgebt, kopiert sie euch für Beweiszwecke im Streitfall.

Werde ich bezahlt wenn ich nicht eingesetzt werde?

Laut AÜG besteht Anspruch auf Lohnfortzahlung bei Nichteinsatz. Es besteht durch die gesetzlichen und tarifvertraglichen Regelungen zum Arbeitszeitkonto jedoch vielfach die Möglichkeit für den Verleiher diese Vorschrift zu umgehen. Laßt euch eine evt. Arbeitszeitkontenregelung genau erklären!

Wer stellt bei Bedarf die Arbeitskleidung oder die persönliche Schutzausrüstung wie z.B. Helm, Arbeitsschuhe?

Laut AÜG ist der Verleiher zuständig. Er ist auch verpflichtet euch auf evt. Gefahren im Entleihbetrieb hinzuweisen. Dieser ist zudem verpflichtet, gesetzliche Arbeitsschutzbestimmungen für seine fest angestellten Mitarbeiter auch an euch anzuwenden. Weiteres im Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) sowie in den berufsgenossenschaftlichen Verordnungen.


Kommentare

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Aus den Kommentaren...

Becki schrieb am 30.11.2014 zu
Stinkender Zankapfel Leiharbeit:

Wer einmal Zeitarbeit als Angestellter erlebt hat, braucht zu diesem Thema nix mehr zu sagen. Gruß aus dem Süden Deutschlands :-)