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PLUS

Ein Angriff auf Eine ist ein Angriff auf alle!

Sevilla im Oktober 2005: In der Filiale »Carretera de Su Eminencia« des Einzelhandelsmultis PLUS wird Fátima Fernandez, eine junge Kassiererin, gekündigt. Für PLUS zu Beginn ein ganz normaler Vorgang, wie er jeden Tag dutzendfach vorkommt, wenn ArbeiterInnen vor die Tür gesetzt werden. In den nächsten Monaten wird der »Fall Fátima« dem Konzern weit über Sevilla hinaus jedoch manches Kopfzerbrechen bereiten. Was nicht zuletzt daran liegt, daß die Gefeuerte Mitglied der anarchosyndikalistischen Gewerkschaft CNT ist. Und die tut mehr als Rechtsanwälte zu vermitteln.    

Fátima arbeitete seit einiger Zeit bei PLUS in einem Vierschichtsystem für rund 500 Euro im Monat. Nachdem Fátima eine Tochter bekommen hatte, bat sie ihren Boss um eine feste Mittagsschicht von 12 Uhr bis 16 Uhr. Nach wiederholten schriftlichen Anträgen, auf die sie nie eine Antwort erhielt, wandte sie sich schließlich an das Arbeitsgericht. Das Gericht sprach ihr das Recht auf die gewünschten festen Zeiten zu.  

Weniger als 38 Stunden nach dem Urteilsspruch wurde Fátima von PLUS gefeuert und eine Zeit der Schikanen begann!
Fátima – mittlerweile Gewerkschaftsdelegierte der CNT im Betrieb – bekam in den Wochen bis zu ihrem letzten Arbeitstag einen abgelegenen Arbeitsplatz an einer selten benutzten Kasse zugewiesen, um sie von ihren KollegInnen zu isolieren. Während in Sevilla brütende Hitze von 40 bis 45 Grad herrschte, mußte sie täglich in der Mittagszeit alleine die schweren Müllsäcke zu einem mehrere hundert Meter entfernten Container schleppen. In der Folge erlitt sie einen Schwäche­anfall und wurde in einer Klinik behandelt.

Anfang 2006 machte die CNT Sevilla den Fall bekannt und begann mit Aktionen, um die Forderung von Fátima nach sofortiger Wiedereinstellung zu unterstützen. Zunächst erschienen vor Ort, später auch in vielen anderen Städten der iberischen Halbinsel, ArbeiterInnen der CNT in und vor Filialen des Einzelhandelsmultis, informierten mit Plakaten und Flugblättern über den Fall und forderten Beschäftigte und KundInnen auf, Fátima zu unterstützen. Wenige Wochen später wandte sich die FAU an ihre Schwestergewerkschaft in Sevilla und bot Unterstützung an. Schließlich verfügt PLUS in Deutschland über sein weltweit dichtestes Filialnetz, und auch die Konzernzentrale von PLUS bzw. des gesamten Tengelmann-Konzerns liegt in Mülheim an der Ruhr sozusagen »vor der Haustür«. Da die Arbeitsbedingungen auch im Einzelhandel der BRD alles andere als blendend und Schikanen in vielen Ketten an der Tagesordnung sind, bot sich ein gemeinsames Vorgehen geradezu an.

Nachdem sich sowohl Fátima als auch die CNT Lokalföderation in Sevilla hoch erfreut über das Unterstützungsangebot zeigten, begannen Anfang Februar die ersten Syndikate der FAU mit Aktionen. Am 3. Februar wurde in Hamburg eine Filiale von PLUS besucht und mit KundInnen und Belegschaft über die mütterfeindlichen Schikanen bei PLUS in Sevilla diskutiert. In den nächsten Tagen ging es dann Schlag auf Schlag – 9.2. Berlin, 10.2. Bonn, 13.2. Braunschweig, 14.2. Hannover. Innerhalb weniger Wochen erhielt PLUS in rund 30 Städten Besuch. In manchen Orten fanden zeitgleich in bis zu 10 Filialen Aktionen statt. Auch in der Schweiz und in Wien schlossen sich Leute an und machten Aktionen vor Filialen von Tengelmann-Ketten. Nachdem just am 8. März, dem internationalen Frauentag, eine Aktion verschiedener Syndikate der FAU vor der Tengelmann-Zentrale in Mülheim an der Ruhr stattfand, bat der Konzern um ein Treffen mit der FAU. Bereits zuvor hatten uns ArbeiterInnen bei PLUS darüber informiert, daß bei PLUS mittlerweile Handlungsanweisungen für den Fall von Aktionen die Runde machten. Ende März fand ein Treffen statt, auf dem – in Absprache mit der CNT – die FAU den Fall darstellte und zugleich deutlich machte, daß es nichts zu verhandeln gäbe. Der Konflikt könne ausschließlich zwischen den direkt Betroffenen in Spanien gelöst werden. Die FAU kündigte aber an, ihre Aktionen solange fortzuführen und bei Bedarf zu intensivieren, wie Fátima das wünsche. Nachdem Tengelmann einige Zeit später mitteilte, daß man keinen Einfluss auf die Personalpolitik von PLUS in Spanien habe, fanden bis in den Mai hinein weitere Aktionen statt, bis schließlich die CNT mitteilte, daß keine Unterstützung mehr nötig sei.


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Aus den Kommentaren...

Verbrecher schrieb am 11.01.2014 zu
Leiharbeit abschaffen!:

Dennoch ist der Kampf gegen die Arbeit oder wenn es intelligenter wird, der Kampf gegen die Lohnarbeit ein Allgemeinplatz und Allgemeinplätze ...