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Die C3S als Alternative zur GEMA

1 Kommentar

Wer kennt sie nicht, die Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte – kurz: GEMA? Sie ist die einzige Verwertungsgesellschaft für Urheberrechte von Musikern bezüglich der öffentlichen Aufführung und der Vervielfältigung von Werken in Deutschland und bezeichnet sich selbst u.a. als »Schutzorganisation für den schöpferischen Menschen«. Die Mitglieder setzen sich aus Komponisten, Textdichtern, deren Rechtsnachfolgern (Erben) sowie Bearbeitern und Verlagen zusammen. Als staatlich anerkannte Treuhänderin verwaltet die GEMA »die Rechte von über 65.000 Mitgliedern und über zwei Millionen ausländischen Berechtigten« und sorgt dafür, »dass das geistige Eigentum von Musikschaffenden geschützt und sie für die Nutzung ihrer Werke angemessen entlohnt werden«.

Besonders die prekär beschäftigten Urheber aus der Kulturindustrie wissen, dass es sich hierbei lediglich um ein Lippenbekenntnis seitens der GEMA handelt. Die GEMA, die so gerne ihre demokratische Grundstruktur betont, ist eigentlich ein ständisches System. Es existieren drei Gruppen: ordentliche, außerordentliche und angeschlossene Mitglieder. Ein tatsächliches Stimmrecht haben lediglich die ordentlichen Mitglieder. Die anderen beiden Statusgruppen dürfen Deligierte wählen welche dann auf den Mitgliederversammlungen stellvertretend für ihre Gruppe abstimmen. Daraus ergibt sich natürlich eine extreme Interessenschieflage. 95% der Mitglieder haben kein direktes Stimmrecht. Nur die Besserverdienenden dürfen die Richtung vorgeben. 5,2% der Mitglieder erhielten im vergangenen Jahr 65,25% der ausgeschütteten Beträge.

Kritik an der GEMA existiert in Hülle und Fülle. So werden z.B. Intransparenz, mangelnde Verteilungsgerechtigkeit, Subventionierung von E-Musik aus Einnahmen der Sparte U-Musik (Umverteilung), Monopolismus, Umgehung demokratischer Willensbildung zum Urheberrecht, Lobbyismus, usw. beklagt. Aktuell ist die GEMA durch die (ab dem 01.01.2013 geltenden) neuen GEMA-Tarife stark in die Kritik geraten.5 Seit dem Jahre 2010 gibt es Bestrebungen seitens einiger Künstler, Kulturaktivisten und Musikwissenschaftler, eine europäische, nicht gewinnorientierte (non-profit) Verwertungsgesellschaft zu gründen. Musikalische Werke, die unter Creative-Commons-NC-Lizenzen oder freien Lizenzen veröffentlicht wurden, d.h. Werke, die unter keiner expliziten Lizenz stehen und allein dem Urheberrecht unterliegen, sollen von dieser Verwertungsgesellschaft verwaltet werden.

Die C3S (cultural commons collecting society) soll gemeinschaftlich von allen Mitgliedern auf Basis ihres vollen und gleichen Stimmrechts geformt werden. Jedem Mitglied stünde es frei, der C3S nur ausgewählte Werke zur Verwertung und Verwaltung zur Verfügung zu stellen – die C3S beabsichtigt keine exklusive, personenbezogene Lizenzierung. Die C3S soll als europäische Genossenschaft (SCE) gegründet werden. Sie wäre also eine autonome Vereinigung von Personen, die sich zur Befriedigung ihrer gemeinsamen wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Bestrebungen und Bedürfnisse mit Hilfe eines Unternehmens, das sich in gemeinschaftlichem Eigentum befindet und das demokratisch geführt wird, freiwillig zusammengeschlossen haben.

Im Gegensatz zur GEMA ist die C3S also basisdemokratisch ausgerichtet. Jedes Mitglied ist voll stimmberechtigt und jede Entscheidung wird von allen Mitgliedern getroffen. Mitglied in der C3S können ausschließlich Urheber werden. Dadurch soll vermieden werden, dass Verlage oder Rechtsnachfolger ihre Partikularinteressen durchdrücken. Es sollen in der Hauptsache die Interessen der Urheber eine Rolle spielen und nicht die der Verwerter. Bis zu einem gewissen Schwellenwert an Einnahmen von 500 bis 1.000 Euro im Monat sollen Lizenzeinnahmen zu hundert Prozent an die Urheber ausgezahlt werden. Erst danach wird ein Prozentsatz an die C3S abgeführt, der mit der Höhe der Einnahmen steigt. Gerechnet wird derzeit mit einem Anteil von bis zu zehn Prozent. Bei der GEMA sind es für alle Urheber zwischen 15 und 16%.

Anders als bei der GEMA sollen Mitglieder der C3S selbst entscheiden können, welche Werke die Gesellschaft für sie verwalten soll. Teile der Einnahmen sollen in die Nachwuchs- und Kulturförderung gehen. So sollen zum Beispiel Projekte im Bildungsbereich gefördert werden, um Bewusstsein und Verständnis im Umgang mit Urheberrecht und freien Lizenzen zu vermitteln. Außerdem soll die C3S für mehr Transparenz bezüglich Zahlungstransaktionen und Lizenzierungsvorgängen sorgen, europaweite Lizenzierung vereinfachen, klare und akzeptable Tarife etablieren und mehr Rechtssicherheit bringen.8 Noch ist die C3S eine Initiative ohne juristische Form. Wie wiederholt in allen Interviews und der Kommunikation der Initiative betont, wird sich die C3S als Organisation gründen, die anschließend erst den Antrag auf Zulassung als Verwertungsgesellschaft beim DPMA (Deutsches Patent- und Markenamt) einreichen und zugelassen werden muss. Die Gründung einer weiteren Verwertungsgesellschaft würde auf jeden Fall der sogenannten »Gema-Vermutung« (diese besagt, dass die GEMA die Rechte an praktisch jedem Musikstück verwaltet, welches in Deutschland aus irgendwelchen Boxen schallt. Wer nicht zahlen will, hat das Gegenteil zu beweisen) die rechtliche Grundlage entziehen und das allein wäre schon ein enormer Fortschritt. [ Kain Schwarz ]


Kommentare

The Singer schrieb am 22.04.2014 um 21:10 Uhr

Die C3S ist über das Initiativenstadium mittlerweile hinaus. Für alle Interssierten hier ein Link: https://www.c3s.cc/

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Aus den Kommentaren...

Rudolf Mühland schrieb am 24.01.2014 zu
Detroit: Von der Motown zum Urban Farming:

Urban Farming ist sicher keine "Alternative" - aber ebenso sicher ist es eine offensichtliche Notwendigkeit! Und es ist nichts neues. Schau dir doch ...